Bistum Fulda plant großflächige Fusionen

Katholiken in Kassel rücken zusammen: Künftig wohl nur noch zwei Gemeinden in der Stadt

Das Bild zeigt die Mondfinsternis von 2019 mit dem Blutmond hinter der Kirche St. Elisabeth.
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Dunkle Aussichten für die katholische Kirche: In Kassel soll auch der Kirchturm von St. Elisabeth zu einer von zwei Großgemeinden hören.

Die katholische Kirche in der Region steht vor gravierenden Einschnitten. Im gesamten Bistum Fulda sind großflächige Gemeindezusammenlegungen geplant.

Kassel – Demnach soll es im Dekanat-Kassel-Hofgeismar künftig nur noch vier Pfarreien geben: zwei in der Stadt Kassel und zwei im Landkreis. Aktuell gibt es in der Stadt neun selbstständige Gemeinden und 16 im Landkreis.

In den kommenden Wochen finden im gesamten Bistum Informationsveranstaltungen zur Pfarreientwicklung statt – in Trendelburg am 20. September, in Kassel am 22. September. Dazu sind die haupt- und ehrenamtlichen Vertreter der Gemeindegremien eingeladen.

Details zum Zeithorizont und dem Zuschnitt künftiger Pfarreien nannte ein Sprecher des Bistums auf HNA-Anfrage noch nicht. Je nach Region und je nachdem, ob städtisch oder ländlich geprägt, würden die künftigen Pfarreien etwa 8000 bis 20 000 Gemeindemitglieder aufweisen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Hintergrund für die Zusammenlegungen ist einerseits die finanzielle Situation der katholischen Kirche. Im laufenden Haushausjahr des Bistums gibt es nach eigenen Angaben erstmals ein Defizit in Höhe von 21,6 Millionen Euro. Ursache seien neben der Coronapandemie die Ausgaben für die allgemeinen Aufgaben und Angebote des Bistums. Der Kirchensteuerrat fordere deshalb ein Konsolidierungskonzept bis spätestens Ende des Jahres.

Hinzu kommt, dass in den kommenden Jahren viele Priester in den Ruhestand gehen und kaum junge Seelsorger hinzukommen. Im Dekanat Kassel-Hofgeismar sind aktuell 19 Priester tätig, 2030 werden voraussichtlich noch fünf davon im Dienst sein, sagt Dechant Martin Gies. „Abgesehen von Priestern aus dem Ausland ist kein Nachwuchs in Sicht.“

Die neue Struktur mit wenigen Großpfarreien bedeute, „dass die Gemeinden sehr selbstständig werden müssen“, sagt Gies. Die einzelnen Kirchorte blieben innerhalb der Pfarreien bestehen, müssten ihre Arbeit vor Ort aber vor allem mit Ehrenamtlichen und Laien leisten.

Erfreut sei man über die Entwicklung nicht, sagt Gies. „Aber wir müssen das Beste daraus machen.“ Es sei zu beobachten, wie sich die Veränderungen auf die Stimmung in den Gemeinden auswirke.

Noch handelt es sich bei den künftigen Pfarreizuschnitten um Vorschläge des Bistums, die der Zustimmung der jeweiligen Gemeindegremien bedürfen. (Katja Rudolph)

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