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Interview mit Tierpsychologin: „Katzen lieben es, gelobt zu werden“

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Von: Florian Hagemann

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Mitteilsam: Katzen haben durchaus ihre Möglichkeiten, mit Menschen zu kommunizieren.
Mitteilsam: Katzen haben durchaus ihre Möglichkeiten, mit Menschen zu kommunizieren. © Roland Weihrauch/dpa

Was tun, wenn die Katze unsauber ist oder wenn sie markiert? Ein Fall für die Katzenpsychologin. Petra Bauer aus Kassel beschäftigt sich aber mit weitaus mehr Fragen.

Kassel – Die Wau-Mau-Insel veranstaltet am Wochenende ihr Tierheimfest. Mit dabei ist auch Katzenpsychologin Petra Bauer aus Kassel. Was aber zeichnet ihre Arbeit aus? Ein Gespräch über den Umgang zwischen Mensch und Tier.

Frau Bauer, wer kommt normalerweise zu Ihnen?

Es kommen zum Beispiel die, die sich eine Katze anschaffen wollen und unsicher sind – oder die sich fragen, welche Katze zu ihrer bereits vorhandenen Katze passt. Das ist das Ideale, weil auf diese Weise Probleme erst gar nicht entstehen.

Inwiefern?

Es ist wichtig, dass die Erwartungen an die neue Katze und die Katzenpersönlichkeit zusammenpassen. Ich kann mit den Menschen ausloten, was sie erwarten und was sie der Katze bieten können. Dann muss ich schauen, welche Katze zu dem Menschen passt. Die junge und natürlich lebhafte Katze passt nicht zu einem ruhigen älteren Menschen. Dabei gibt es gerade im Tierheim viele ältere Katzen, die ähnliche Gewohnheiten haben wie der ältere Mensch. Auch Katzenhalter, die eine zweite Katze vergesellschaften wollen, kann ich unterstützen, den passenden Katzenpartner zu finden. Dazu gehört, sich Persönlichkeit, Charakter, Alter und Vorerfahrungen der Tiere anzuschauen. Eigentlich kommen die Leute aber erst zu mir, wenn sie schon verzweifelt sind.

Warum?

Ein häufiges Problem ist die Unsauberkeit der Katze oder das Markieren. Meist wird es anfangs unterschätzt, weil es nur ab und zu passiert. Man denkt, es sei ein Ausrutscher und putzt es weg. Hat die Katze jedoch einen Grund, warum sie es tut, hört es nicht auf, bis die Ursache gefunden wird. Der Tierhalter versucht alles, putzt, tauscht vielleicht schon das Sofa oder den Teppich aus, aber eigentlich ändert sich nichts. Rufen sie mich dann an und fragen, was sie machen können, sind sie in der Regel schon verzweifelt. Ich kann unterstützen, aber es wird einige Zeit dauern, bis die Harmonie wieder hergestellt ist.

Wo setzen Sie in einem solchen Fall an?

Ich versuche zunächst, die Katze zu verstehen und herauszufinden, weswegen sie Stress hat: Liegt es am Kater der Nachbarn? Steht die Toilette an der falschen Stelle? Solche Fragen. Ich suche also die Ursache und lerne die Katze in ihrer Persönlichkeit kennen: Es gibt die Sensiblen, die Ängstlichen, es gibt die Draufgänger, es gibt die, denen alles egal ist – die Palette ist riesig. Dann schaue ich mir die Katze-Mensch-Beziehung an. Je aufgeregter, angespannter der Tierhalter wird, weil schon das neue Sofa markiert wurde, desto verunsicherter wird die Katze. Ist die Ursache für das Verhalten gefunden, bespreche ich mit dem Tierhalter mögliche Maßnahmen – die natürlich umsetzbar sein müssen für den Menschen und das Tier. Das liefert mir dann Ansätze für die Therapie.

Wie sieht die in der Regel aus?

Ich bespreche mit dem Tierhalter, was ich vorhabe – und meist sitzt die Katze sogar daneben. Die Umsetzung der Maßnahmen und die Mensch-Katze-Beziehung begleite ich in der Regel über mehrere Wochen. So wird deutlich, was hilft oder wo es noch problematisch ist. Das läuft mitunter auch digital. Ich schaue mir etwa Videos an, wie sich die Katze verhält und entwickelt. Letztlich sollte das Problem gelöst sein, und der Mensch kennt seine Katze nun noch etwas besser.

Wie teilt sich denn eine Katze mit?

Es gibt ja die Katzensprache. Über Gestik und Mimik lässt sich viel herausfinden, was der Katzenhalter womöglich gar nicht mitbekommt – etwa, dass die Katze Angst hat. Das kann man schon sehen: Sie faucht oder knurrt und ist aus Menschensicht dann die Böse, obwohl sie diejenige ist, die Angst hat. Je mehr ich über die Katze höre und ich über die Katze-Mensch-Beziehung mitbekomme, desto mehr kann ich mich in die Katze hineinversetzen. Denn eines müssen Sie bedenken: Jede Katze ist speziell. Und jede kommuniziert anders mit den Menschen. Für mich gilt es, so viel wie möglich über die Katze zu erfahren, um ihr helfen zu können. In der Regel bedeutet das, sie zunächst zu stabilisieren.

Das heißt?

Ich muss ihr Selbstbewusstsein stärken.

Und wie?

Es ist wichtig, mit Ritualen zu arbeiten. Katzen lieben und brauchen Rituale für ihre Sicherheit. Jeder Mensch hat Rituale mit der Katze: Kuschelrituale, Futterrituale, Spielrituale. Die sollten dann täglich angewendet und fest in den Tagesablauf integriert werden. Ansonsten ist es wichtig, der Katze Erfolgserlebnisse zu bescheren.

Wie kann das geschehen?

Durch Lob. Katzen lieben es, gelobt zu werden. Ein Beispiel: Alle Katzen kratzen gerne. Beobachte ich, wie die Katze am Kratzbaum kratzt, lobe ich sie ausgiebig dafür. Dann kann ich ihre Freude leicht erkennen.

Es heißt immer, Katzen seien kaum erziehbar. Das hört sich bei Ihnen ein bisschen anders an.

Es ist auch ein bisschen anders. Die Katze gefällt zwar gern ihrem Menschen, aber sie zeigt es nicht, indem sie sich unterordnet. Von daher ist das mit der Erziehung so eine Sache. Es muss aus ihrer Sicht Sinn machen – zum Beispiel, wenn es einen Vorteil für sie hat. Das ist doch eigentlich sehr schlau.

Stimmt. Wie äußert sich das?

Auch hier ein Beispiel: Jede Katze geht gern auf den Tisch. Uns Menschen gefällt das nicht. Die Katze versteht aber nicht, warum sie nicht auf den Tisch darf. Es ist doch ein guter Platz. Also muss ich ihr eine Alternative bieten, die besser ist und ihr einen Vorteil bringt. Heißt: Immer wenn sie auf dem Stuhl sitzt, bekommt sie ein Leckerli. Und irgendwann sitzt sie wie selbstverständlich auf dem Stuhl und wartet auf das Leckerli. Nur etwas zu verbieten, geht eben nicht.

Können Sie eigentlich immer helfen?

Meistens, aber ich brauche immer die Menschen, die mitmachen wollen. In der Regel merke ich das schon beim ersten Gespräch, ob da ein ernsthaftes Interesse daran besteht, die Situation zu verbessern. Es braucht mitunter Geduld. Mit drei Tagen ist es nicht getan, ehe sich etwas verbessert. Das Problem ist, dass viele Menschen lange warten, um überhaupt Hilfe zu holen. (Florian Hagemann)

Zur Person: Petra Bauer kommt aus Kassel und lebt nach einer Zeit in Bremen nun wieder in ihrer Heimat. Sie arbeitete früher im Pflegebereich, bildete Pflegepersonal aus. Seit 2011 ist sie als Katzenpsychologin tätig, wobei dies kein anerkannter Ausbildungsberuf ist. Die Theorie erwarb sie an der Schweizer Akademie für Tiernaturheilkunde, Weiterbildungen folgten. Eine Stunde Beratung und Hilfe bei ihr kostet in der Regel 60 Euro.

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