Tierschutzverein fängt herrenlose Tiere für Kastration ein

Katzenfänger mit guter Absicht in Kassel unterwegs

Streuner sollen kastriert werden: Claudia Tombers (links) und Yvonne Käsinger von Verein „Hand und Pfote“ mit zwei der gefangenen Katzen. Fotos: Rudolph

Kassel. Im Käfig fühlt sich die kleine schwarze Katze sichtlich unwohl. Sie ist die Freiheit gewöhnt. Hinter Gitter gebracht wurde der Streuner jedoch aus guten Absichten.

Der Tierschutzverein „Hand und Pfote“ Lohfelden hat die wild lebende Katze gefangen, um sie zum Tierarzt zu bringen und kastrieren zu lassen.

Auf die Pirsch gegangen sind die Katzenfreunde auf dem Gelände einer Wohnsiedlung an der Mombachstraße in der Nordstadt. Dort halten sich bis zu 14 Katzen auf, darunter acht Junge. Das hat ein Anwohner beobachtet, der die offensichtlich herrenlosen Tiere auch füttert. „Wenn man die Katzen nicht kastriert, vermehren sie sich unkontrolliert weiter“, sagt Vereinsvorsitzende Melanie Hättich. Die etwa drei bis vier Monate alten Jungkatzen würden bald geschlechtsreif. Wenn sie sich innerhalb der kleinen Katzenpopulation paaren, drohe zudem Inzucht. Dann gibt es ein erhöhtes Risiko krank oder behindert geborener Tiere.

Zusammen mit Yvonne Käsinger hat Melanie Hättich schon am frühen Morgen die Lebendfallen in der Siedlung aufgestellt und sich mit ihr auf die Lauer gelegt. In den Gitterboxen legten die beiden ehrenamtlichen Tierschützerinnen Köder aus, von denen sie wissen, dass es den Katzen schwerfällt zu wiederstehen – neben Katzenfutter auch Lachs und Thunfisch, die besonders geruchsintensiv und damit ein guter Lockstoff sind.

Zehn gingen in die Fallen

Bis zum Abend des ersten Tages waren neun Katzen in die Falle getappt. Am Dienstagmorgen gelang ein weiterer Fang. Mit der Hilfe von weiteren Vereinsmitgliedern und Unterstützung vom Kasseler Verein „Freundeskreis Katze und Mensch“ wurden die Tiere zum Tierarzt gebracht. Eine ausgewachsene Katze hatte eine tiefe Fleischwunde am Kopf. Eine andere humpelte.

Plötzlich hinter Gittern: Dieses Katzenjunge ging in die Falle und wird jetzt tierärztlich versorgt.

Die Kosten für Kastration, das Chippen und Tätowieren sowie weitere nötige Behandlungen der Tiere finanziert der Verein aus Spenden. 1400 Euro sind allein für die Kastrierungen nötig. „Notfalls gehen wir auch privat in Vorleistung“, sagen die Katzenliebhaberinnen aus Lohfelden und Kassel. Auch ihren freien Tag haben sie gern für die Fangaktion geopfert. „Weil wir das Elend der Katzen sehen und etwas dagegen tun wollen“, sagt Yvonne Käsinger. Die Jungkatzen will der Verein als Haustiere vermitteln. Sie könne man noch daran gewöhnen, ein festes Zuhause zu haben. Die ausgewachsenen Tiere, die ihr Leben in Freiheit nur schwerlich aufgeben würden, sollen nach der Kastration wieder auf freien Fuß kommen. Dann können sie aber keine Jungen mehr bekommen.

Jetzt hoffen die Frauen, dass es ihnen noch gelingt, auch die letzten vier Katzen zu erwischen und zu versorgen.

Hintergrund: Kastrationspflicht soll noch dieses Jahr in Kraft treten

Die Stadt Kassel plant seit über zwei Jahren eine Kastrationspflicht für frei laufende Katzen. Im Juli 2013 hatten die Stadtverordneten bereits einen entsprechenden Beschluss gefasst. Die sogenannte Katzenschutz-Verordnung steht aber nach wie vor in der Warteschleife.

Das liegt daran, dass das Land Hessen erst im vergangenen Mai die Zuständigkeit dafür auf die Kommunen übertragen hat. Hessens Städte und Gemeinden können demnach die Rechtsgrundlage im Bundestierschutzgesetz nutzen, um Maßnahmen zum Schutz frei lebender Katzen zu ergreifen. Das Rechtsamt der Stadt Kassel prüft jetzt die geplante Verordnung, damit sie auch juristisch einwandfrei ist, teilte Rathaussprecher Sascha Stiebing mit. Nach der Sommerpause sollen die Stadtverordneten über die Ergebnisse informiert werden.

Ziel sei, dass die Kastrationspflicht noch in diesem Jahr in Kraft treten könne, sagte Stiebing. Dann müssten alle Halter, deren Katzen Zugang zum Freien haben, die Tiere kastrieren lassen. Die Stadt erhofft sich davon, die Zahl der wild lebenden Katzen zu reduzieren. Denn alle streunenden Katzen waren einmal Hauskatzen oder stammen von Hauskatzen ab. Schätzungen zufolge leben 2000 bis 300 wilde Katzen in der Stadt Kassel.

Für die Kastration herrenloser, streunender Katzen müssten auch unter der neuen Verordnung weiterhin Tierschutzvereine oder Privatleute einspringen. Die Kommunen haben laut Rathaussprecher Stiebing keine Verpflichtung, diese Tiere zu versorgen.

Über Spenden und über neue Mitglieder freut sich der Verein „Hand und Pfote Lohfelden“. http://handundpfote-lohfelden.de, Telefon 05 61 / 50 62 92 72 (Yvonne Käsinger).

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