600.000 Kunden für Strom und Gas

Rückkauf von Eon Mitte ohne Vertrieb

Kassel. Eon Mitte wird bald wieder in kommunaler Hand sein. „Wir kaufen aber ohne Vertrieb“, sagt Robert Fischbach, Landrat des Kreises Marburg-Biedenkopf. Denn: Eon will rund 600.000 Kunden für Strom und Gas nicht mitverkaufen.

Robert Fischbach, Landrat des Kreises Marburg-Biedenkopf und kommunale Verhandlungsführer beim Rückkauf von Eon Mitte, macht keinen Hehl daraus, dass die zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen die annähernd 600.000 Kunden, die im Netzgebiet Strom (500.000 Kunden) und Gas (100.000) von Eon beziehen, gern mit übernommen hätten. Aber ein Mitverkauf des Vertriebs war nicht zu erreichen. Aus wirtschaftlichen Gründen habe man anders entschieden, erklärt Fischbach.

Lesen Sie auch:

- Eon Mitte bald wieder in kommunaler Hand

- Eon-Rückkauf: Energiekonzern und Landkreise sind sich weitgehend einig

- Kreise bei Rückkauf von Eon-Mitte-Anteilen fast am Ziel

Deshalb will das künftig wieder kommunale Unternehmen einen eigenen Vertrieb für das Stromgeschäft aufbauen. Das soll mit Unterstützung des künftigen Stadtwerke-Konsortiums gelingen, an dessen Gründung bereits gearbeitet wird.

Eon Mitte versorgt mit den Netzen für Strom (45.000 Kilometer) und Gas (4800 Kilometer) insgesamt rund 1,5 Millionen Menschen. Die Zahl der Kunden, die von Eon Strom und Gas kaufen, ist auf aktuell annähernd 600.000 gesunken. Für Eon Mitte sind die Netzentgelte das wichtigste Geschäft, der Verkauf von Strom und Gas trägt nur mit etwa 15 Prozent zum Umsatz bei.

Mehr zu Eon Mitte gibt es auch im HNA-Regiowiki.

Die Kreise und Kommunen, die den Eon-Mehrheitsanteil von 73,3 Prozent an Eon Mitte für unter 700 Millionen Euro zurückkaufen werden, gehen davon aus, dass dieser Kauf aus den künftigen Gewinnen finanziert werden kann. Eon Mitte verdient den Löwenanteil durch Netznutzungsentgelte, und das gilt auch für ein Nachfolgeunternehmen. Zwar könnte es passieren, dass die Bundesnetzagentur die Netzentgelte weiter nach unten korrigiert, aber das Risiko von geringeren Gewinnen scheint kalkulierbar.

Robert Fischbach

Laut Fischbach gibt es jetzt eine grundsätzliche Vereinbarung über den Preis. Konkrete Zahlen will der Verhandlungsführer nicht nennen, darüber sei aus vertragsrechtlichen Gründen Stillschweigen vereinbart worden.

Der Preis wurde aus der Bewertung eines neutralen Gutachters gebildet, der Eon Mitte 2012 über mehrere Monate unter die Lupe genommen und das Ergebnis Ende 2012 vorgelegt hatte. Seitdem war über den Preis verhandelt worden. Nun geht es für die zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen darum, das nötige Geld für den Rückkauf aufzutreiben. Die Banken werden da einen ordentlichen Anteil Eigenkapital sehen wollen. Kein einfaches Unterfangen angesichts leerer Kassen und der Tatsache, dass der Landkreis Kassel den Finanz-Schutzschirm des Landes Hessen in Anspruch genommen hat.

Fischbach hofft, dass sich das Thema Eigenkapital mithilfe von Bürgschaften oder den bereits von den Kreisen gehaltenen Anteilen an Eon Mitte regeln lässt: „Ich gehe davon aus, dass wir das Geld kriegen.“

Von Jörg Steinbach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.