Streik bei Kaufhof und Sinn Leffers - eingeschränkter Betrieb

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Flagge zeigen zur Tarifrunde im Handel: Fast die komplette Tagesbelegschaft beider Kaufhäuser hatte sich auf dem Opernplatz versammelt. Deswegen musste der Kaufhof mangels Personal zeitweise mehrere obere Etagen geschlossen lassen.

Kassel. Mit einem ganztägigen Streik für mehr Lohn und Gehalt haben Mitarbeiter der Galeria Kaufhof am Mittwoch merkliche Einschränkungen im Geschäftsbetrieb verursacht. Mehrere Etagen des Kaufhauses waren mangels Personal stundenweise abgesperrt.

Auch im nahen Modekaufhaus Sinn Leffers wurde gestreikt, dort lief der Verkauf jedoch weitgehend normal.

Es war in Nordhessen die bisher größte Streikaktion, die die Gewerkschaft Ver.di zur laufenden Tarifrunde im Einzelhandel organisiert hatte. In beiden Häusern telefonierten Führungskräfte am Vormittag eilig Aushilfskräfte herbei und organisierten einen Notbetrieb, während sich ein Großteil der gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter mit Transparenten und Trillerpfeifen auf dem Opernplatz versammelt hatte.

Es dauerte 20 Minuten länger als üblich, bis der Kaufhof gegen 9.50 Uhr seine Türen für die Kundschaft öffnen konnte. Wer in die oberen Etagen des Warenhauses wollte, für den war im 2. Stock einstweilen Endstation: Die weiter hinauf führenden Rolltreppen waren ausgeschaltet und abgesperrt, weil Mitarbeiter für diese Bereiche fehlten. Gegen Mittag hatte Personalleiter Markus Geulich dann genügend Kräfte beisammen, um die Kunden auch in der 3. Etage zu bedienen.

Mit Verständnis oder wenigstens mit Gleichmut reagierte der überwiegende Teil der Kundschaft auf die streikbedingten Einschränkungen. Verärgert zeigten sich am Vormittag allerdings einige Kunden, die mit dem Auto aufs Parkdeck des Kaufhofs gefahren waren und dann feststellten, dass der Fahrstuhl nicht funktionierte und die oberen Zugänge vom Treppenhaus her verschlossen waren. Der längere Fußmarsch hinunter war vor allem für gehbehinderte ältere Menschen und für Schwangere kein Vergnügen. Gegen 11 Uhr fuhr der Lift dann wieder – mit einem Fahrstuhlführer, der darauf achtete, dass im 3. und 4. Stock niemand ausstieg. „Das musten wir erst mal organisieren“, sagte Markus Geulich vom Kaufhof-Management.

Unten auf der Straße verliehen die streikenden Mitarbeiter ihrer Forderung nach sechs Prozent mehr Einkommen Nachdruck. Angesichts glänzender Renditen bei großen Handelsunternehmen wie dem Kaufhof seien die jüngsten Tarifsignale der Arbeitgeber mit einer 1 vor dem Komma völlig unakzeptabel, sagte Gewerkschaftssekretärin Erika Preuss bei einer Kundgebung auf dem Opernplatz. „Was die anbieten, bedeutet Reallohnverlust“, schimpfte Ver.di-Bezirksgeschäftsführer Harald Fennel.

Aus beiden Kaufhäusern hatten sich über 90 Prozent der Tagesbelegschaft der Streikaktion angeschlossen, schätzten die Betriebsratsvorsitzenden Walter Mayer (Kaufhof) und Petra Bähring (Sinn Leffers). „Die Leute sehen nicht ein, warum sie hinter dem Großhandel zurückstehen sollen“, sagte Mayer. Für den hessischen Groß- und Außenhandel hatten sich die Tarifpartner vor kurzem recht geräuschlos auf ein Einkommensplus von 3 Prozent geeinigt.

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