Nur wenige Mineralölkonzerne bieten neuen Kraftstoff in Kassel an - Viele Autofahrer setzen weiter auf Super

Kaum einer tankt Bio-Sprit E10

E10-Pionierin: Pächterin Mandy Adler bietet seit Anfang März den Bio-Sprit E10 an ihrer Agip-Tankstelle in Bettenhausen an.

Kassel. Die Einführung des Biokraftstoffs E10 verläuft an vielen deutschen Tankstellen schleppend. Auch die Akzeptanz der Verbraucher ist immer noch gering. Der Absatz des Bio-Sprits beträgt höchstens 30 Prozent des Kraftstoff-Absatzes für Otto-Motoren.

In Kassel ist E10 bisher nur an Jet- und Agip-Tankstellen sowie vereinzelt an freien Tankstellen erhältlich. Mandy Adler, Pächterin der Agip-Tankstelle an der Sandershäuser Straße, verkauft den Bio-Sprit, der bis zu zehn Prozent Bio-Ethanol enthält, seit Anfang März. „Am Anfang war die Verunsicherung der Verbraucher groß“, erzählt sie. Mittlerweile höre sie kaum noch Beschwerden. „Die Menschen sind jetzt besser informiert“, sagt sie. Das Hauptgeschäft machen immer noch konventionelles Super-Benzin und Diesel aus. „Der Verkauf von E10 und Super Plus ist in etwa gleich“, berichtet Adler. Zudem ist an ihrer Tankstelle E10 - gestern bei 1,48 Euro - drei Cent günstiger als Super.

Bei Jet kostet der Bio-Sprit genauso viel wie das Super-Benzin. „Beim gleichen Preis nehme ich doch lieber das Altbewährte“, sagt Kunde Michael Götzner aus Rotenburg an der Fulda und füllt Super in den Tank. Michael Seeger aus Kassel befürchtet einen höheren Verbrauch und Verschleiß durch E10. Darum tankt er Super, unabhängig vom Preis. „Ich weiß nicht, ob mein Auto E10-kompatibel ist“, sagt Alexandra Loch aus Nieste und greift ebenfalls zu Super-Zapfpistole

Während Jet den Bio-Treibstoff bundesweit flächendeckend anbietet, haben andere Mineralölkonzerne gerade einmal die Hälfte ihrer Tankstellen damit ausgestattet. Bei Aral sind es rund 1300 von bundesweit 2500. Bis Ende des Jahres sollen laut Pressesprecher Detlef Brandenburg alle Aral-Tankstellen den Bio-Sprit anbieten.

Nach Auskunft von Esso-Pressesprecherin Gabriele Ratke haben die Raffinerien im Westen und Norden, von denen die 600 Tankstellen des Konzerns in diesem Gebiet den Kraftfstoff beziehen, noch nicht auf die Produktion von E10 umgestellt. Deshalb ist auch in Kassel das Bio-Benzin bei Esso nicht zu haben. Bei den Raffinerien sieht auch Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbandes freier Tankstellen (bft), das Problem. Frühestens ab Mitte August rechnet er mit E10 an bft-Tankstellen in der Region. In Süd- und Ostdeutschland bietet der bft E10 bereits an. Dort befinden sich 900 der insgesamt 1800 Tankstellen des Vereins.

Shell verkauft bisher ebenfalls an der Hälfte seiner 2200 Tankstellen in Deutschland E10. Wann der Rest folgt, steht noch in der Sternen. „Aufgrund der Zurückhaltung der Verbraucher haben wir die Entscheidung zunächst ausgesetzt“, erklärt Shell-Sprecher Axel Pommeränke.

Von Mirko Konrad

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