Akzeptanz des alternativen Antriebs

Kasseler Forscher: Menschen haben kaum Interesse an Elektro-Autos

Zählt beim Autokauf nicht zu den Favoriten: Trotz hoher Spritpreise zeigen die Deutschen kaum Interesse an Autos mit Elektromotoren. Unser Bild zeigt das neue Elektro-Auto des Daimler-Konzerns, den smart electric drive, an einer Stromtankstelle. Der Elektro-Smart kostet mit 23 000 Euro etwa 10 000 Euro mehr als die vergleichbare Benzin-Variante. Foto: dpa

Kassel. Trotz hoher Spritpreise zeigen deutsche Autofahrer nur geringes Interesse, auf Elektrofahrzeuge zu wechseln. Zu diesem Ergebnis kommt der Kasseler Wirtschaftsforscher Prof. Dr. Andreas Ziegler in einer Studie.

Der 45-jährige Leiter des Fachgebiets Empirische Wirtschaftsforschung hat dies kürzlich in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Transportation Research A“ veröffentlicht. Grundlage der Untersuchung waren Daten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung von 598 repräsentativ ausgewählten Autofahrern, die sich ein neues Fahrzeug kaufen wollten. Ziegler wollte unter anderem herausfinden, für welchen Antrieb sich die Befragten entscheiden würden.

Weil der Markt für Elektrofahrzeuge sowie Pkw mit anderen alternativen Antriebsarten noch sehr klein ist, war eine Betrachtung des tatsächlichen Kaufverhaltens aber nicht sinnvoll. „Stattdessen sollten die Testpersonen wiederholt zwischen sieben hypothetischen Autos wählen“, sagt Ziegler. Diese unterschieden sich nicht nur in der Antriebsart, sondern auch durch zusätzliche Fahrzeugmerkmale wie Anschaffungs- und Betriebskosten, Emissionswerte, Motorleistung und Tankstellennetz.

Ein wenig überraschendes Ergebnis der experimentellen Befragung, bei der es ausschließlich um die Präferenzen der Autofahrer geht: Kaufpreis und Treibstoffkosten haben einen negativen Einfluss, geringe CO2-Emissionen und eine hohe Tankstellennetzdichte wirken sich dagegen positiv auf den Kauf eines Fahrzeugs aus. Ein zweites Ergebnis überrascht hingegen: „Deutsche Autofahrer tendieren selbst bei identischen Fahrzeugen mit gleichen Kosten und vergleichbarem Tankstellennetz zu Benzinern“, sagt Ziegler. Autos mit Elektromotoren dagegen landeten bei sonst denselben Voraussetzungen auf den hintersten Plätzen.

Andreas Ziegler

Hintergrund der Studie war das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Zehn Jahre später sollen es gar fünf Millionen sein. Zum Vergleich: Aktuell sind in Deutschland gerade einmal 5000 Strom-Pkw zugelassen. „Wenn so ein Ziel ausgegeben wird, muss auch etwas passieren“, fordert Ziegler. Aus der Politik müssten beispielsweise mehr finanzielle Anreize für die Förderung der Elektromobilität kommen, um das propagierte Ziel zu erreichen.

Auch staatliche Kooperationen mit Umweltverbänden, Bio-Märkten und Ökostrom-Anbietern seien denkbar, um für Elektrofahrzeuge zu werben. Diese Aktionen sollten sich laut Ziegler aber speziell an diejenigen richten, die der Studie zufolge eher alternativen Antrieben aufgeschlossen sind: junge, umweltbewusste Autofahrer. „Haben sie erst einmal einen Basismarkt gegründet, kann auch die Akzeptanz in der Bevölkerung steigen“, sagt er.

Von Sebastian Schaffner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.