Stadt meldet keine Probleme am ersten Streiktag – Notdienste nächste Woche gesichert

Kaum was los in Not-Kitas

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Sie nahmen am Freitag den Notdienst in der Kita Brückenhof in Anspruch: Nicole Risch und ihr Sohn Tim. Der Fünfjährige besucht eigentlich den Kindergarten Nordshausen, der aber hatte gestern – wie viele andere Einrichtungen in Kassel – wegen des Streiks geschlossen.

Kassel. Zum hessenweiten Streik-Auftakt in den Erzieher- und Sozialberufen ist am Freitag ein Großteil der städtischen Kindergärten in Kassel geschlossen geblieben. Sieben der 33 Kitas boten einen Notdienst für Kinder an, die bei ihnen und bei anderen Einrichtungen betreut werden.

Die Kindertagesstätte Brückenhof zum Beispiel hatte den Notdienst für sieben andere Kitas übernommen. Dennoch ging es am Freitagmorgen an der Heinrich-Plett-Straße eher gemächlich zu. In die insgesamt 150 Betreuungsplätze bietende Kita waren nur etwa 20 bis 30 Mädchen und Jungen anderer Einrichtungen gekommen.

„Habe vollstes Verständnis“ 

Unter den Notdienst-Betroffenen waren Nicole Risch und Sohn Tim. Der Fünfjährige besucht den Kindergarten Nordshausen. Der war am Freitag - wie 26 andere städtische Kitas - wegen des Streiks geschlossen geblieben. Zum Glück kenne Tim die Kita Brückenhof, weil er dort bereits in die Gruppe der unter Dreijährigen gegangen sei. Trotz der Unannehmlichkeiten unterstütze sie den Arbeitskampf. „Für die Beschäftigten habe ich vollstes Verständnis“, sagte Nicole Risch.

Genauso sieht das Martin Teuber. Er schaute am Morgen mit Sohn Jannik in der Kita Brückenhof vorbei, wo der Zweijährige betreut wird. Papa nahm den Sohn dann aber doch mit an die Arbeit. Persönlich und als stellvertretender Vorsitzender des Stadtelternbeirats unterstütze er die Forderungen der Gewerkschaften für die Erzieher (siehe Hintergrund), betonte Teuber. Seine Solidarität mit den Beschäftigten hatte der Stadtelternbeirat im Vorfeld mit einem offenen Brief an den kommunalen Arbeitgeberverband zum Ausdruck gebracht.

Vereinbarung geschlossen

Ging mit an die Arbeit: Martin Teuber, der stellvertretende Vorsitzende des Stadtelternbeirats, mit Sohn Jannik (2).

Der erste Kita-Streiktag in Kassel verlief nach Angaben der Stadt ohne Probleme. Offenbar hatten es viele Eltern geschafft, den Freitag ohne Notdienst zu überbrücken. Freitagmittag hat die Stadt mit Ver.di eine „Notdienstvereinbarung“ geschlossen. Danach werden ab Montag einige Ver.di-Mitglieder trotz Streiks arbeiten. „Dadurch ist es der Stadt Kassel möglich, die Notdienste für berufstätige Eltern im bestehenden Umfang auch in der kommenden Woche anzubieten“, sagte der städtische Pressesprecher Ingo Happel-Emrich.

Die Notdienstvereinbarung gilt zunächst für eine Woche. Es werden wie bisher sieben städtische Kitas und zusätzlich zwei Horte Notdienste anbieten. Sichergestellt werden die reguläre Öffnungszeit (8 bis 16 Uhr) und der Frühdienst (7 bis 8 Uhr), nicht aber der Spätdienst (16 bis 17 Uhr). Mit dem Notdienst könnten aber nur die Kinder jener Berufstätigen betreut werden, die sich bereits angemeldet hatten. Weitere Plätze stünden leider nicht zur Verfügung.

Service: Bei Fragen zur Öffnung und zu Notdiensten sollten sich Eltern direkt an die Kitas oder an Eberhard Meyer im Jugendamt unter der Rufnummer 787-5018 werden.

So sollen die Gehälter steigen

Nach Angaben von Ver.di sollen mit dem Streik Gehaltsverbesserungen von durchschnittlich zehn Prozent erreicht werden. So sollen laut Gewerkschaft die (Brutto-) Gehälter jeweils im mittleren Bereich (Entgeltstufe 4) ansteigen:

Kinderpflegerin bisher: 2589, 68 Euro Forderung: 2846,12 Euro

Erzieherin bisher: 2946,46 Euro Forderung: 3387,82 Euro

Kindertagesstätten-Leiterin (bis 39 Plätze): bisher: 2985,49 Euro Forderung: 3502,66 Euro

Kindertagesstätten-Leiterin (70 bis 99 Plätze): bisher: 3617,48 Euro Forderung: 3904,60 Euro

Sozialarbeiter bisher: 3502,66 Euro Forderung: 3709,38 Euro.

Nach Angaben der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) liegen die Bruttogehälter von Erzieherinnen an kommunalen Kitas zwischen 2590 Euro (Einstiegsgehalt) und 3750 Euro (Endstufe) je nach Tätigkeit und Berufserfahrung. Kita-Leitungen erhalten bis zu 4750 Euro.

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