Unklare Situation: Betriebsgesellschaft will Arbeitnehmern in drei Monaten kündigen

Eissporthallen-Betreiber KEBG: Ende April ist Schluss

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Wie geht es weiter? Wer die Eissporthalle ab April betreibt ist unklar. Geschäftsführer Stefan Traut rechnet damit, dass die KEBG als bisherige Betreiberin abgewickelt werden muss.

Kassel. Ist nach dem 30. April Schluss für die Kasseler Eissporthallen-Betriebsgesellschaft (KEBG)? Das jedenfalls hat Geschäftsführer Stefan Traut in einer Erklärung auf der Internetseite der Kassel Huskies angekündigt.

Dort heißt es: „Auf Grund der weiterhin unklaren Situation der Eissporthalle Kassel ist der KEBG das Fortführen des Betriebs über den 30.04.2011 hinaus derzeit nicht möglich.“

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Die Arbeitsplätze müssten für Ende April betriebsbedingt gekündigt werden. Zu diesem Zeitpunkt endet das Mietverhältnis zwischen der Rosco Gruppe von Dennis Rossing und Eishallenbesitzer Simon Kimm. Für die Zeit danach besitzt Rossing die Option, die Eishalle zu kaufen. Rossing wiederum hat die Eishalle an die KEBG untervermietet. Gesellschafterin der KEBG ist Rossings Mutter Elfriede.

In Trauts Erklärung heißt es aber auch: „Sollte sich bis zum 30.04.2011 eine Änderung hinsichtlich der Hallensituation ergeben, die zur Folge hat, dass die KEBG fortbestehen kann, werden die Kündigungen zurückgenommen.“ Die Hintertür steht also offen. In jedem Fall würde das Ende der KEBG nicht zwangsläufig das Ende des Eishockeys bedeuten. „Die Saison ist finanziell gesichert, auch ein Jahr in der Regionalliga bekommen wir hin“, sagt Marc Berghöfer, Vorsitzender der Eishockey-Jugend Kassel (EJK). Und: „Wir werden weiter Gespräche über die Zukunft mit Rossing führen. Sollten er und die KEBG sich zurückziehen, dann werden wir mit Eishallenbesitzer Simon Kimm reden.“ Mit Blick auf die Mitgliederversammlung am 10. Februar sagt er aber auch: „Wir würden uns wünschen, dass Rossing sich möglichst bald erklärt, um dem Eishockey nicht zu schaden. Wir wollen Alternativplanungen nicht verzögert angehen.“

Stefan Traut

Traut äußerte sich in einer zweiten Erklärung zu einer angeblich nicht korrekten Berichterstattung der HNA. Gegenüber zwei Redakteuren unserer Zeitung hatte er bestätigt, dass die mit der EJK im Kooperationsvertrag vereinbarten Beträge nach unten korrigiert worden seien. Dies sei falsch, sagt Traut jetzt. Die KEBG sei ihren Verpflichtungen immer nachgekommen. Das hatte unsere Zeitung auch berichtet.

Die EJK bestätigte indes, dass die Zahlungen der KEBG bisher komplett geflossen und nicht korrigiert worden seien. Alle Unterlagen wie Sponsorenliste und Abrechnung der Bruttoeinnahmen seien mittlerweile - mit Verspätung - eingereicht. Zahlungen aus der Partie gegen Darmstadt stehen noch aus.

Weiter heißt es: „Jedoch wurde die vertraglich vereinbarte Absicherung aller Leistungen der KEBG bisher nicht zur Hälfte erbracht. Eine Vereinbarung über eine Reduzierung oder einen Verzicht auf die Absicherung gibt es nicht.“ Dies bezieht sich auf 40 000 Euro, die Traut als eine mit EJK-Schatzmeister Bernhard Ewers vereinbarte Sicherheitsleistung bezeichnet. Dem widersprechen Berghöfer und Ewers. Nach Informationen der HNA sollten im Dezember 500 000 Euro hinterlegt sein - „nicht nur zu Hälfte“ wie es in der EJK-Mitteilung heißt, ist also freundlich formuliert.

Hintergrund: Vereinbarungen zwischen EJK und KEGB

Die zwischen der Eishallen-Betreibergesellschaft KEGB und der EJ Kassel vereinbarten Zahlungen bestehen nicht nur aus Bargeld, sondern auch aus Sachleistungen wie Eiszeit und Ausrüstung. Die machen fast die Hälfte der bisher gezahlten Gesamtsumme aus. Diese beläuft sich offenbar derzeit auf knapp 300 000 Euro.

Zusätzlich gibt es eine Absicherungs-Vereinbarung. Sie soll der Sicherung der zu erwartenden Gewinne aus Sponsoren- und Zuschauereinnahmen dienen - damit der Eishockeyklub im Falle einer Insolvenz der KEBG trotzdem noch von Einnahmen wie etwa aus den Spielen gegen Mainz oder Wiesbaden profitiert. Weil eine ursprünglich vorgesehene Insolvenz-Versicherung von der KEGB nicht abgeschlossen werden konnte, sollten - so die EJK - auf einem Treuhandkonto oder per Bankbürgschaft 500 000 Euro abgesichert werden. Bisher sind aber nur 40 000 Euro eingezahlt worden. (frz)

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