Hausmeister im Philipp-Scheidemann-Haus dürfen Gäste nicht mehr versorgen

Kehlen bleiben trocken

Hier gibt es nichts: Seit Kurzem dürfen die Hausmeister im Philipp-Scheidemann-Haus keine Getränke und Süßigkeiten mehr verkaufen. Foto: Michaelis

Nord-Holland. Durst musste niemand leiden im Philipp-Scheidemann-Haus in der Kasseler Nordstadt. Gäste von Veranstaltungen bekamen bei den Hausmeistern immer eine Kleinigkeit zu trinken und auch Süßigkeiten. Doch damit ist nun Schluss. Die Stadt Kassel hat den Hausmeistern untersagt, Getränke und andere Kleinigkeiten zu verkaufen.

„Wir sind darüber stinksauer“, sagt Monika Sprafke (SPD), Ortsvorsteherin von Nord-Holland. In seiner nächsten Sitzung will sich der Ortsbeirat mit dem Thema beschäftigen.

Viele Nutzer des Scheidemann-Hauses kämen abends direkt von der Arbeit, sagt Sprafke. Nun gebe es gar keine Möglichkeit mehr, sich zu versorgen. Denn auch Gastronomie gebe es schon länger nicht mehr in der Nähe.

Bei der Stadt Kassel sieht man das Thema nüchterner. Der Verkauf von Getränken und Süßigkeiten „gehört nicht zu den originären Hausmeistertätigkeiten“, sagt Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp auf Anfrage. Und bislang sei das Philipp-Scheidemann-Haus das einzige Bürgerhaus mit einem solchen Service gewesen. In anderen Stadtteilen sei es üblich, dass sich die Bürger selbst versorgen.

„Bei dem Verkauf von Waren handelt es sich um eine Nebentätigkeit, die während der Arbeitszeit ausgeübt wurde“, sagt Bohnenkamp. „Nach den bestehenden Rechtsvorschriften ist es Hausmeistern nicht gestattet, in städtischen Gebäuden oder den dazugehörigen Nebenflächen eine Nebentätigkeit während ihrer Arbeitszeit auszuüben.“

Der Unmut der Nutzer des Scheidemann-Hauses sei nachzuvollziehen. Deswegen bemühe sich die Stadt, mit Automaten schnell für Ersatz zu sorgen, sagt Bohnenkamp.

Ortsvorsteherin Monika Sprafke findet die Begründung unbefriedigend. Allein schon wegen seiner Größe sei das Scheidemann-Haus nicht mit anderen Bürgerhäusern zu vergleichen. Zudem habe es mit den Hausmeistern ein System des gegenseitigen Vertrauens gegeben. Zu Ortsbeiratssitzungen seien zum Beispiel gekühlte Getränke und einige Kannen Kaffee hingestellt worden. Jeder, der sich etwas nahm, habe das Geld dann in ein Schälchen gelegt, sagt Sprafke. „Dieser freundliche Service hat den Charme des Scheidemann-Hauses ausgemacht.“

Von Claas Michaelis

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