Erreger in Kranken-Taxen, Bussen, Bahnen

Die Keime fahren mit: Multiresistente Erreger lauern im Alltag

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Sicherheit durch Desinfektion: Frank Nauditt zeigt, wie er zusätzlich zur Desinfektion unmittelbar nach Krankentransporten einmal in der Woche seine Fahrzeuge komplett mittels Kaltvernebelung desinfiziert.

Kassel. Multiresistente Erreger (MRE) sind vor allem in Krankenhäusern und in der Pflege ein Problem. Sie können insbesondere für immungeschwächte Patienten gefährlich werden. Aber auch in Kranken-Taxen, Bussen und Bahnen oder am Einkaufswagen sind die Keime zu finden.

Einmal in der Woche desinfiziert Frank Nauditt seine Fahrzeuge. Seit etwa 13 Jahren übernimmt der gelernte Rettungsassistent aus Volkmarsen Krankentransporte für Krankenkassen, fährt unter anderem Dialyse-Patienten in Kasseler Krankenhäuser.

Etwa ein Viertel der Kranken-Taxen ist mit resistenten Keimen belastet. Das hatte eine Studie in Frankfurt ergeben (wir berichteten). Das Gesundheitsamt geht davon aus, dass Kasseler Kranken-Taxen ebenso betroffen sind.

Für Dr. Markus Schimmelpfennig, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Region Kassel und Leiter des MRE-Netzwerks Nordhessen, ist das Ergebnis nicht überraschend. „Multiresistente Erreger sind längst in der Gesellschaft angekommen, nicht nur in Kranken-Taxen, auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, Toiletten oder am Einkaufswagen“, sagt er. Die Keime seien nicht besonders aggressiv. Eine Infektion lasse sich gut behandeln. Für immungeschwächte Menschen wie Dialyse-Patienten könne eine Infektion allerdings gefährlich werden.

Diese Patienten werden in der Regel mit Kranken-Taxen, sogenannten nicht qualifizierten Krankentransporten, befördert. Unter Umständen können sie sich dabei mit den Keimen infizieren. Das ist laut Schimmelpfennig aber eher selten. Die Keime sitzen auf Haut und Schleimhäuten und werden durch Kontakt über Hände und Flächen übertragen. Einfache Hygieneregeln wie die Desinfektion von Händen und Kontaktflächen wie Türgriffen, Liegeflächen oder Gurte können einer Infektion vorbeugen.

Rolf Freudenstein, Geschäftsführer der Taxi-Service-Zentrale Kassel, sagt, dass in seinem Unternehmen für besondere Desinfektionsmaßnahmen in der Regel keine Notwendigkeit bestehe, da keine Liegendtransporte durchgeführt würden.

Das Hauptproblem liegt laut Schimmelpfennig in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen und bei Pflegediensten. Für Nauditt ist eine Desinfektion der Kontaktbereiche in seinen Fahrzeugen dennoch selbstverständlich, wenn er Risikopatienten befördert hat. Das Problem: Kranken-Taxen sind dazu per Gesetz nicht verpflichtet. „Es gibt keinen Anspruch auf ein steriles Taxi“, sagt Schimmelpfennig.

Außerdem dürfen Fahrer von Kranken-Taxen aus Datenschutzgründen nicht über Diagnosen von Patienten informiert werden. „Wir wissen im Grunde nicht, ob wir Risikopatienten und Träger von MRE transportieren“, sagt Nauditt. Man bekomme aber einen Blick dafür. Eine komplette Desinfektion seiner Fahrzeuge macht der 48-Jährige einmal pro Woche mittels einer Kaltvernebelung. „Es ist sinnvoll, von Zeit zu Zeit die Keimzahl in den Fahrzeugen auf null zu bringen“, sagt Schimmelpfennig. Wichtig sei, dass Betreiber von Krankentransporten ein Bewusstsein für MRE und für regelmäßige Hygienemaßnahmen entwickelten. Er betont, dass zur Vermeidung von Infektionen mit MRE aber auch das Hygieneverhalten jedes Einzelnen, etwa durch regelmäßiges Händewaschen, entscheidend beitragen kann.

mre-nord-ost-hessen.de

www.mre-rhein-main.de

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