Städtische Werke haben mit Lieferproblemen zu kämpfen

Kein Anschluss unter diesen Säulen: Öffentliche Ladestationen wochenlang stillgelegt

Schön verpackt: Eine der beiden Ladesäulen am Friedrichsplatz.
+
Schön verpackt: Eine der beiden Ladesäulen am Friedrichsplatz.

Wegen Wartungs- und Reparaturarbeiten sind derzeit viele Ladestationen in Kassel außer Betrieb. Ein Elektroautofahrer hält dies für keine gute Werbung für Kassel.

Kassel - Richard Kuhnen aus Kaufungen ist nicht häufig in der Kasseler Innenstadt. Aber immer wenn der Mediziner zuletzt mit seinem Plug-in-Hybrid oder dem Elektroauto seiner Frau in der Innenstadt war, suchte er verzweifelt nach Anschluss. Denn sowohl am Friedrichsplatz als auch am benachbarten Karlsplatz sind oberirdische Ladepunkte seit vielen Wochen außer Betrieb.

Gleiches gilt übrigens für mehrere weitere Stationen im Stadtgebiet. Die verbleibenden funktionierenden Ladepunkte seien dementsprechend häufig belegt. Was ist denn da los?

Aus Sicht von Kuhnen macht die Situation „einen Besuch in der Innenstadt nicht gerade attraktiv“. Ohnehin sei die Stadt „noch dürftig“ mit Ladeinfrastruktur ausgestattet. Vor allem öffentliche Ladepunkte seien rar. Wer aus dem Umland mit dem Elektrofahrzeug in die Stadt fahre, brauche eine komfortable und vor allem verlässliche Lademöglichkeit. „Einkaufen und gleichzeitig das Auto laden ist doch ein Argument für einen Besuch in Kassel“, so Kuhnen. Aber nicht nur in der Innenstadt, gebe es Probleme. Auch bei Ikea in Waldau habe er schon häufig vor defekten Ladesäulen gestanden. Dafür biete Ikea den Strom seinen Kunden aber kostenlos an.

Anders ist es bei den stillgelegten Säulen am Friedrichsplatz und Karlsplatz sowie mehreren weiteren Standorten, die von den Städtischen Werken betrieben werden. Eine der Säulen am Friedrichsplatz musste bereits vor Monaten wegen eines Defekts außer Betrieb genommen werden. „Der Hersteller konnte nicht liefern. Am Friedrichsplatz treffen uns mal wieder die weltweiten Lieferengpässe für technische Komponenten“, so der Sprecher der Städtischen Werke. Damit niemand auf die Idee komme, die Säule könnte doch funktionieren und zur Sicherung habe man sie verpackt. Bis Ende November, so die Zusage des Herstellers, werde die Säule repariert.

Abgesperrt: Die Ladestationen am Karlsplatz werden aktuell umgebaut.

„Am Karlsplatz sieht es ähnlich aus. Dort hat die Städtische Werke Netz und Service GmbH den Netzanschluss erneuern wollen und mit den Tiefbauarbeiten begonnen – und nun müssen wir wahrscheinlich bis Ende der Woche warten, bis die Arbeiten wieder aufgenommen werden können“, so der Sprecher. Dies alles sei „sehr ärgerlich“. Aber man sei von den Lieferanten abhängig.

Das Problem beschränkt sich aber nicht allein auf die Säulen, die Richard Kuhnen gern nutzen würde, wie die Städtischen Werke einräumen. Auch bei den Ladepunkten am Entenanger, an der Stadthalle, an der Wilhelmshöher Allee (Höhe Autohaus Glinicke und Höhe Hotel Schweitzer Hof) sowie am Holländischen Platz werden aktuell Anschlüsse erneuert. Zudem müssten wegen rechtlicher Änderungen die Ladesäulen mit Sim-Karten für die Abrechnung und Fernauslesung ausgestattet werden, so ein Sprecher.

Im Sommer hatten die Stadt und die Städtischen Werke angekündigt, das Ladenetz – auch mit Blick auf die documenta 2022 – weiter ausbauen zu wollen. (Bastian Ludwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.