Jeder vierte Deutsche leidet darunter

Kein Antrieb und Stimmungstief: Vorbeugen gegen Winterdepression

Martin Ohlmeier

Seit einiger Zeit schlafe ich schlecht, kann nicht abschalten und komme vor allem morgens kaum in die Gänge. Häufig plagen mich auch tagsüber Stimmungstiefs. Sind das Anzeichen für eine Winterdepression?“, fragt ein Leser aus Kassel.

Antworten hat Prof. Martin Ohlmeier, Direktor des Kasseler Ludwig-Noll-Krankenhauses, der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Kassel.

Die besonderen Symptome einer Winterdepression sind laut Ohlmeier neben einem erhöhten Schlafbedürfnis eine Appetitsteigerung und damit verbunden auch eine Zunahme des Gewichts. Hinzu kommen die auch für andere Formen der Depression typischen Symptome wie Antriebsstörungen, das Unvermögen, Freude zu empfinden, sowie Stimmungsschwankungen. „Diese Symptome sind meist allerdings milder ausgeprägt“, sagt Ohlmeier.

Saisonale Depression

Treten die Symptome vor allem in der Herbst- und Winterzeit auf, können sie Anzeichen für eine sogenannte Winterdepression sein. Diese wird auch als saisonale Depression bezeichnet. Von leichten Ausprägungen der Erkrankung ist Schätzungen zufolge jeder vierte Bundesbürger betroffen. Schwere Formen betreffen zwischen zwei und fünf Prozent der Bevölkerung. Am häufigsten trifft es Menschen im mittleren Lebensalter, Frauen häufiger als Männer.

Die Symptome einer Winterdepression lassen sich Ohlmeier zufolge durch eine Lichttherapie mit speziellen Tageslichtlampen verbessern. Das Licht sollte mindestens eine Intensität von 2500 Lux haben. „Das Licht lässt man am besten morgens 30 bis 60 Minuten auf sich wirken“, rät der Facharzt für Psychiatrie. Einer Winterdepression kann man laut Ohlmeier gut vorbeugen, beispielsweise durch regelmäßigen Sport im Herbst und Winter.

„Bewegung hat generell einen antidepressiven Effekt“, sagt er und empfiehlt tägliche 30 bis 60 Minuten lange Spaziergänge. Hilfreich sei außerdem, wenn man bereits im Sommer beispielsweise ein Abonnement im Fitness-Studio buche.

Psychotherapie

Ist beispielsweise die Arbeitsfähigkeit durch die Erkrankung stark beeinträchtigt und tritt sie in regelmäßigen Abständen auf, kann Ohlmeier zufolge auch eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Ohlmeier: „Nur bei sehr ausgeprägten Symptomen sollte eine ergänzenden Behandlung mit Medikamenten erwogen werden.“

Hintergrund: Lichtmangel kann Auslöser sein

Als Ursache einer Winterdepression vermutet man eine Veränderung des Melatonin-Spiegels im Gehirn. Dieses Hormon wird bei Lichtmangel vermehrt gebildet. Die vermehrte Melatonin-Bildung sorgt wiederum für eine verringerte Ausschüttung des Botenstoffs Serotonin. Dieser steht laut Ohlmeier in einem engen Zusammenhang mit der Entstehung von Depressionen.

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