Sicherheit geht vor Schönheit

Kein Bart bei der Feuerwehr: Atemschutzträger müssen rasiert sein

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In solchen Situationen kann der Bart lebensgefährlich sein: Feuerwehrleute bei einem Einsatz unter Atemschutz.

Kassel/Bad Hersfeld. Bärte sind bei jungen Männern wieder voll im Trend. Doch lange Zotteln oder auch nur Drei-Tage-Bart haben bei der Feuerwehr tabu zu sein.

Hier geht Sicherheit vor Schönheit. Problem: Gesichtsbehaarung verträgt sich nicht mit den Atemschutzmasken der Brandbekämpfer. Die Masken müssen nämlich möglichst eng anliegen, um richtig dicht zu sein. Bartträger bringen sich selbst in Gefahr.

Vorschriften für Bärte bei der Feuerwehr

Die Feuerwehrdienstvorschrift macht dazu eine klare Ansage: „Einsatzkräfte mit Bart oder Koteletten im Bereich der Dichtlinie von Atemanschlüssen sind für das Tragen von Atemschutzgeräten ungeeignet.“ Die Maske müsse dicht am Gesicht des Atemschutzträgers anliegen, um diesen vor giftigen und gesundheitsschädlichen Stoffen zu schützen, erklärt der Kasseler Stadtsprecher Michael Schwab.

Die Vorschrift gelte bundesweit für Berufsfeuerwehren genauso wie für Freiwillige Feuerwehren. Wer sich nicht daran halte, dürfte im Notfall nicht unter Atemschutz eingesetzt werden.

Appell: "Bart ab!"

Was sich selbstverständlich anhört, bereitet in einigen Feuerwehren Probleme. Weil Feuerwehrwehrmänner bei Übungen und selbst bei Einsätzen schon mit Bart auftauchten, mussten sie wieder nach Hause geschickt werden. Deshalb hat kürzlich Tanja Dittmar, Kreisbrandinspektorin in Hersfeld-Rotenburg, den Appell „Bart ab!“ ausgegeben. 

Sie ruft die Feuerwehrmänner dazu auf, zur eigenen Sicherheit regelmäßig zum Rasierer zu greifen. Wenn dies nicht geschehe, sei vor allem die Tagesbereitschaft der Feuerwehren gefährdet. Und die sei ohnehin schon schwierig sicherzustellen, da nicht alle Kräfte zu den normalen Arbeitszeiten ständig einsatzfähig seien.

Die Risiken des Bartes

Eine vergleichbare Diskussion wie die im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gibt es bei den Feuerwehren in Kassel nicht, sagt Stadtsprecher Schwab. Dem Landesfeuerwehrverband (LFV) sind derzeit ebenfalls keine Probleme mit Bartträgern in hessischen Wehren bekannt. Doch appelliert auch LFV-Geschäftsführer Harald Popp: „Das sollte sich jeder zu Herzen nehmen. Der Bartwuchs verringert die Dichtigkeit der Masken. Durchdringende toxische Gase können sonst zu Gesundheitsschäden führen oder sogar lebensbedrohlich werden.“

Bei der Polizei ist Bart nicht verboten

Für Polizeibeamte gibt es in Sachen Bärte grundsätzlich keine Einschränkungen, berichtet Torsten Werner, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen (Kassel). Allerdings sollten die Bärte in Form, Farbe und Länge mit der Akzeptanz der Bevölkerung im Einklang stehen. Werner: „Lediglich den Trägern von Atemschutzmasken, die bei Spezialkräften vorhanden sind, wird empfohlen, auf Vollbärte zu verzichten, um die Dichtheit zu gewährleisten.“

Initiatorin der „Bart ab“-Kampagne bei den Wehren: Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar, hier setzt sie beim Hersfelder Stadtbrandinspektor Frank Jakob symbolisch den Rasierer an.

Grundsätzlich gibt es bei der Polizei keine Einschränkungen für Bärte. Allerdings dürfe das äußere Erscheinungsbild der Beamten nicht willkürlich sein, betont Torsten Werner, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen (Kassel). Die Individualität des Beamten habe hinter die Anforderungen des Amtes zurückzutreten. Die gesetzliche Pflicht zu einem achtungs- und vertrauenswürdigen Verhalten setze dem Erscheinungsbild der Beamten Grenzen. Diese seien fließend und im Zweifel vom Einzelfall abhängig. 

Deutlich wird dies nach Werners Angaben bei großflächigen Tätowierungen. Diese könnten bei der Bevölkerung mangelnde Akzeptanz oder gar Misstrauen hervorrufen. Daher sollten Tätowierungen, insbesondere bei Uniformträgern, grundsätzlich nicht sichtbar sein. Das gilt auch für Gesichtsschmuck wie Piercings. Das besondere Augenmerk gelte hier der Verletzungsgefahr. Werner: „Ohrringe und Piercings, aber auch zu lange Bärte können Angriffsflächen bei körperlichen Auseinandersetzungen bieten und sollten daher nicht getragen werden.“

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