Zwei junge Männer wegen versuchten schweren Raubes vor dem Landgericht

Kein Fasching, sondern Überfall

Kassel. „Ich dachte, es ist Fasching“, sagte der 38-jährige Inhaber der Gaststätte „Forsters Garden“, als im Juli zwei vermummte Gestalten nachts mit einem Beil und einer Pistolenattrappe herein stürmten. Es war kein Spaß, sondern bitterer Ernst.

Doch der Kneipeninhaber ließ sich nicht beeindrucken, er schrie die beiden an, verwickelte sie in ein Gespräch und erreichte so, dass sie sich aus dem Staube machten. Jetzt sitzt das Duo auf der Anklagebank des Landgerichts, die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten schweren Raub vor.

„Ich wollte niemandem wehtun, ich wollte nur mein Geld“, beteuerte der 22-jährige Angeklagte. Er hatte einige Monate in einer Bar in der Kasseler Innenstadt gearbeitet, die ebenfalls dem Kneipeninhaber gehört. Zwei Monatslöhne seien ihm nicht ausgezahlt worden, später habe er die Kündigung erhalten. Obwohl er den Besitzer mehrfach darauf angesprochen habe, sei dieser nie auf Nachforderung eingegangen. Deshalb versuchte er es auf andere Weise.

Er habe seinen Cousin, der damals in der Kneipe arbeitete, in das Vorhaben eingeweiht, und der habe dafür gesorgt, dass in jener Nacht die Hintertür offen blieb. Der 21-Jährige neben ihm auf der Anklagebank ließ sich zu dem nächtlichen Überfall überreden. Mit ins Gesicht gezogenem Rollkragenpullover, einem Schall und Kapuzen vermummt stürmten die beiden in den Kneipenraum, in dem sich der Inhaber mit ein paar verspäteten Gästen und dem Cousin des 22-jährigen Angeklagten aufhielt. „Hinlegen!“, sollen sie befohlen haben. Der 21-Jährige nahm, so gestand er, den eingeweihten Cousin seines Komplizen in den Schwitzkasten. „Wir wollten ihn als Geisel nehmen.“ Doch er habe niemanden verletzen wollen, so der 21-Jährige.

„Hätte jemand Geld von mir zu bekommen gehabt, hätte ich ihm das sofort gegeben“, versicherte der Kneipeninhaber als Zeuge. Während des nächtlichen Überfalls sei jedenfalls keine Rede davon gewesen, dass die beiden Eindringlinge Geld haben wollten. Der Kneipier erkannte seinen ehemaligen Mitarbeiter trotz der Vermummung und brüllte ihn an: „Bist du bescheuert, nimm die Maske ab!“ Dann flohen die beiden.

Da sie alles einräumten, hielt sich die Beweisaufnahme in Grenzen, doch das Gericht will noch aufklären, ob es tatsächlich eine Geldforderung seitens des 22-Jährigen gab - was freilich nicht den Überfall rechtfertigen würde. Zu dieser Frage sollen die Chefin der Bar und ein ehemaliger Mitarbeiter, der angeblich ebenfalls auf Lohn hatte verzichten müssen, am 22. November als Zeugen gehört werden. (pas)

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