Die Außenstandorte der documenta 13 werden von externen Geldgebern bezahlt

Kein Geld aus Kassel

Klausur mit Aussicht: Noch bis morgen tagen die 30 Teilnehmer des „documenta-Retreat“ im spektakulären Banff-Konferenzcenter im kanadischen Nationalpark. Bezahlt wurde die Veranstaltung mit Geld aus Banff. Foto:  Banff Centre

Kassel. Die Kunst der documenta ist in diesem Sommer über die ganze Welt verstreut. Das Budget von 24,5 Millionen Euro bleibt nach Angaben der Geschäftsleitung jedoch in Kassel.

„Die Standorte Kabul, Kairo und Banff werden nicht von der documenta bezahlt“, stellte Geschäftsführer Bernd Leifeld gestern klar. Die zweiwöchige Klausur im kanadischen Banff sei also nicht – wie von einigen Kasselern vermutet – eine Verschwendung des d13-Budgets für einen Künstler-Kuraufenthalt.

Vielmehr habe das Banff-Centre, in dem die Teilnehmer des Rückzug-Seminars noch bis morgen zusammensitzen, selbst das Geld für die Veranstaltung aufgebracht. Ob die Anreise der Künstler auch aus Banff oder aus Kassel bezahlt wurde, wollte Leifeld jedoch nicht verraten.

Er berichtete aber, dass die d13-Ausstellungen in Kabul und Kairo mit Geld außerhalb des documenta-Haushaltes möglich gemacht wurden. Für Afghanistan kam das Geld unter anderem vom Auswärtigen Amt. Die Bundesbehörde steuerte nach eigenen Angaben 410 000 Euro bei. Auch das Goethe-Institut war an der Finanzierung der Workshops in Kairo und Alexandria beteiligt. Genaue Zahlen waren von dort gestern aber nicht zu erfahren.

Damit steckt in allen der documenta-Standorte Steuergeld, die weite Streuung der Kunst auf dem Globus geht jedoch nicht zulasten des Zentrums in Kassel.

Der Ansatz, der den drei Außenstandorten zugrunde liegt, ist in jedem Land verschieden. In Kabul ging es Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev und ihrem Team darum, Kunst auch als Wiederaufbau zu verstehen. So ist ein Park, der während des Krieges zerstört wurde, nun wieder für die afghanische Bevölkerung zugänglich. In Kairo stand der Austausch mit ägyptischen Studenten im Vordergrund, von denen einige auch in Kassel an der d13 mitarbeiteten.

Die Klausur in Banff kümmert sich dagegen vor allem um ihre Teilnehmer, die abseits des Ausstellungstrubels in sich gehen sollen. Nicht, um sich der Verantwortung zu entziehen, heißt es von der documenta, sondern gerade, um „in eine Phase des zeitlich begrenzten Studiums, der Reflexion und des gegenseitigen Austauschs einzutreten“. Daraus sollen dann Positionen entstehen, die wiederum allen helfen können.

Ganz einzuleuchten scheint dieses Konzept jedoch nicht allen. Im Calgary Herald, der Lokalzeitung aus der nächsten großen Stadt, schreibt Reporter Stephen Hunt über die Klausur im Banff Centre. Ihm fehlt bei dem Kunsttreffen vor allem eines: Kunst.

Von Saskia Trebing

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.