Stadtkirchenkreis kürzt Zuweisung an Gemeinden - Im Winter keine Sonntagsgottesdienste in Apostelkapelle

Evangelische Gemeinde hat kein Geld mehr für die Heizung

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Kapelle bleibt im Winter sonntagmorgens geschlossen: Die Entscheidung, die Apostelkapelle während der Heizperiode nur noch für die meditativen Abendgottesdienste einmal im Monat zu beheizen, ist Kirchenvorstand Gottfried Elsas (links) und Pfarrer Matthias Meißner nicht leichtgefallen. Aber die Gemeinde muss sparen.

Kassel. Kassels evangelische Kirchengemeinden müssen ab dem kommenden Jahr den Gürtel enger schnallen: Die Zuweisungen vom Stadtkirchenkreis an die Gemeinden werden für 2012 und 2013 um jeweils fünf Prozent gekürzt.

In der Friedenskirchen-Gemeinde im Vorderen Westen hat das spürbare Auswirkungen für die Gläubigen. Um Heizkosten zu sparen, werden in der Apostelkapelle im Aschrottpark im Winter sonntagmorgens keine Gottesdienste mehr stattfinden.

„Die Entscheidung ist uns alles andere als leicht gefallen“, sagt Pfarrer Matthias Meißner. Vor allem wegen des festen Besucherkreises in der Apostelkapelle. „Es gibt richtige Fans, die den Ort lieben“, weiß Kirchenvorstand Gottfried Elsas. 20 bis 25 Menschen kämen in der Regel zu den Gottesdiensten am Sonntagmorgen in die Kapelle.

Fünfstelliges Defizit

Allerdings muss die Gemeinde dringend sparen. Es drücke ein fünfstelliges Defizit, das bisher aus Rücklagen gedeckt worden sei. Diese seien aber, wenn man nichts ändere, in zwei Jahren aufgezehrt. „2013 wären wir dann zahlungsunfähig“, sagt Pfarrer Meißner. Einsparpotenzial sehen die Mitglieder des Kirchenvorstands der Gemeinde vor allem bei den Heizkosten - ansonsten gebe es wenige Stellschrauben im Gemeindehaushalt. Die 1967 erbaute Kapelle zu beheizen, koste jedes Mal etwa 100 Euro, sagt Gottfried Elsas. Durch die wegfallenden Gottesdienste von Januar bis März und von Oktober bis Dezember kann die Gemeinde also etwa 2500 Euro sparen.

70 000 Euro Gesamtkürzung

Die Kürzung der Finanzzuweisung bedeute für die Gemeinde der Friedenskirche, eine um 1800 Euro reduzierte Jahressumme, sagt Verwaltungsdirektor Stephan Heinisch. Die Einsparungen im Stadtkirchenkreis durch die fünfprozentige Kürzung für alle Gemeinden beliefen sich auf insgesamt 70 000 Euro. Pro Jahr betrage das Budget für den laufenden Betrieb in den zugehörigen 24 Gemeinden mehr als 1,3 Mio. Euro.

Noch mehr Ersparnis für die Gemeinde im Vorderen Westen würde es natürlich bringen, die Friedenskirche im Winter nicht zu heizen. „Aber das kommt nicht infrage, schließlich ist es die Hauptkirche der Gemeinde“, sagt Pfarrer Meißner. Etwa 60 Gottedienstbesucher werden sonntags in der Kirche an der Friedrich-Ebert-Straße unweit des Bebelplatzes gezählt. Insgesamt hat die Gemeinde knapp 4300 Mitglieder. Die Apostelkapelle war 1967 als zweite Predigtstätte im westlichen Bereich der Kirchengemeinde hinzugekommen.

Auf das Heizen des schlecht isolierten Gebäudes zu verzichten, habe auch einen ökologischen Hintergrund, sagt Kirchenvorstand Elsas. Indem statt zwei Räumen nur noch einer geheizt werde, leiste man auch einen Beitrag zum Klimaschutz.

Von Katja Rudolph

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