Kein Gleisblockierer-Training für den Castor in Räumen der Jean-Paul-Schule

Kassel. Eine von Kernkraftgegnern geplante Veranstaltung, bei der das Blockieren von Castor-Zügen geübt werden soll, wird nicht in der Turnhalle der Jean-Paul-Schule stattfinden. Die Entscheidung fällt die Bürgerinitiative nach zahlreicher Kritik selbst.

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Eine von Kernkraftgegnern geplante Veranstaltung, bei der das Blockieren von Castor-Zügen geübt werden soll, wird nicht in der Turnhalle der Jean-Paul-Schule stattfinden. Das teilte der Trägerverein der Schule nach einer Sitzung am Donnerstagabend mit. Die Bürgerinitiative „Anti-Atom-Spaziergang“ habe ihre Raum-Anfrage „aus Rücksichtnahme auf die Folgen für die Schule“ zurückgezogen.

Somit sei eine Entscheidung durch den Schulverein selbst obsolet geworden, sagte Schulleitungsmitglied Harald Seifert-Sossalla, der zugleich Geschäftsführer des Vereins ist: „Andernfalls hätten wir handeln müssen“, sagte er.

Dass eine solche Veranstaltung auf schulischem Gelände stattfinden soll, hatte viel öffentliche Kritik ausgelöst. Eingeschaltet hatte sich auch das Staatliche Schulamt. Dessen stellvertretende Leiterin Helga Dietrich sagte, in einem Gespräch mit der Leitung der privaten Ersatzschule habe das Amt deutlich gemacht, „dass wir es problematisch finden, wenn der Eindruck entsteht, die Schulleitung stehe inhaltlich dahinter, wenn bei der Aktion möglicherweise Rechtsbrüche vorbereitet werden“.

Dafür sehe man an der Schule keine Anhaltspunkte, sagte Seifert-Sossalla gegenüber der HNA und betonte erneut, eine Vermietung der Turnhalle an einem Sonntag berühre den Schulbetrieb nicht. Er empfinde die Reaktionen auf den geplanten Treff der Castor-Gegner als „ein bisschen extrem“. Bei dem Termin am Donnerstag hätten BI-Vertreter juristisch untermauerte Einschätzungen vorgelegt, wonach sich ihre geplanten Aktionen nicht im Bereich der Strafbarkeit bewegen würden. Dies sei für die Schulgremien plausibel gewesen, doch ein neutraler Blick auf die Sache sei inzwischen nicht mehr möglich: „Wir werden von allen Seiten massiv unter Druck gesetzt.“

Im Umfeld der Jean-Paul-Schule habe es auch viele Solidaritätsbekundungen für das Vorhaben der Bürgerinitiative gegeben, sagte Seifert-Sossalla. Viele hätten kein Verständnis für die „Einflussnahme auf unsere autonome Entscheidung, Räume an Gruppen aus dem Viertel zu vermieten“. Es sei der Jean-Paul Schule wichtig, weiterhin offen für Veranstaltungen aller Art zu sein. „Für uns wird es aber schwierig, wenn Schulkinder und Eltern, die eigentlich gar nicht betroffen sind, in die Sache hineingezogen werden.“

Vertreterinnen der BI sagten am Freitag, sie verstünden die ganze Aufregung nicht. „Wir billigen keine Gewalt gegen Polizisten und rufen auch nicht zu Blockaden auf“, sagte Ulrike Niklaus. Das Training solle jenen, die gegen Castor-Transporte demonstrieren wollen, lediglich einen Eindruck vermitteln, zu welchen Konfrontationen und psychischen Stresssituationen es dabei kommen könne - beispielsweise, welche Folgen polizeiliche Aufforderungen haben.

„Wir wollen ja gerade ermöglichen, dass es friedlich bleibt“, betonte Dr. Kerstin Wolff: Niemand solle aus Angst oder Uninformiertheit überreagieren. Der Vorwurf, an der Schule solle Gewalt eingeübt werden, gehe völlig fehl.

Von Axel Schwarz

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