Interview: Der Jäger und Förster Manfred Eckhardt (Hessen-Forst) über die Forderung der SPD Wehlheiden

Jäger Manfred Eckhardt im Interview: „Kein Grund für Waffensteuer“

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Umstrittenes Thema: Die SPD Wehlheiden fordert eine kommunale Waffensteuer. Sportschützen und Jäger sind dagegen. Auf dem Foto ist ein Jäger im Dezember 2011 während einer Drückjagd bei Göhrde (Landkreis Lüchow-Dannenberg) zu sehen.

Kassel. In Bremen soll eine kommunale Waffensteuer eingeführt werden, bei der pro Waffe 300 Euro im Jahr fällig werden. Ein Vorhaben, das auf großen Widerstand bei Jägern und Schützen stößt. Die SPD Wehlheiden sieht die Bremer Pläne hingegen als Vorbild und fordert solch eine Steuer auch für Kassel.

Eine Idee, die bei heimischen Schützen gar nicht gut ankommt (HNA berichtete). Über das Thema Jagd und Waffensteuer sprachen wir mit dem Forstbeamten und Jäger Manfred Eckhardt (Hessen-Forst).

Was halten Sie von der Idee, eine kommunale Waffensteuer einzuführen?

Manfred Eckhardt: Grundsätzlich muss man nachfragen, was für eine Absicht hinter solch einer Steuer steckt. Geht es um eine weitere Geldeinnahmequelle oder gibt es einen sachlichen Grund dafür? Einen vernünftigen Sachgrund kann ich für solch eine Steuer derzeit nicht erkennen, weil damit nicht das Problem illegaler Waffen gelöst wird, welche zum Großteil bei Straftaten benutzt werden.

Wie viele Waffen benötigt ein Jäger?

Eckhardt: Grundsätzlich werden je nach Einsatzzweck unterschiedliche Waffen benötigt. Verschiedene Waffen benötigt man für den Ansitz, gegebenenfalls auch in unterschiedlichen Kalibern je nach Größe des Wildtieres, eine für die Bewegungsjagd, ein Schrotgewehr für das Niederwild wie Fuchs und Waschbär, eine für die Nachsuche auf krankes Wild und auch eine Kurzwaffe für den Fangschuss für zum Beispiel verunfalltes Wild am Straßenrand.

Welche Aufgaben haben Jäger?

Eckhardt: Die Jagd ist nicht zum Selbstzweck da. Der Jäger übt eine gesellschaftliche Aufgabe aus, die im Jagdgesetz verankert ist. Er bejagt Rehe, Hirsche und Wildschweine, um Wildschäden zu verhindern. In unserer Kulturlandschaft muss der Mensch die Population kontrollieren, weil das Wild keine natürlichen Feinde mehr im Wald hat. Zudem geht es auch um die Verhinderung des Ausbruchs von Tierseuchen. Je höher die Population ist, desto größer ist die Gefahr, dass Füchse an Tollwut oder Wildschweine an der Schweinepest erkranken. Zudem besteht die Gefahr der Wildunfälle. Ein Fünftel der Rehe in Deutschland wird bei Autounfällen getötet. Von den 78 000 Rehen, die 2010 in Hessen zur Strecke gekommen sind, fielen über 13 000 dem Straßenverkehr zum Opfer. Dabei wird auch immer die Gesundheit von Menschen gefährdet.

Es gibt die Aussage, dass alle Jäger reich sind und deshalb gut und gern auch noch Waffensteuer zahlen können.

Eckardt: Das ist ein reines Vorurteil, das noch aus jenen Zeiten stammt, in denen die Jagd ein herrschaftliches Privileg war. Unter Jägern sind heute alle Schichten vertreten, von Handwerkern über Lehrer bis zu Großindustriellen. Die Jagdgenossenschaften im ländlichen Raum legen oft großen Wert darauf, die Reviere an heimische Jäger wie Landwirte und Handwerker und nicht an Unbekannte aus fernen Landen zu verpachten. Mit Blick auf die gesellschaftliche Verantwortung, die ein Jäger trägt und die Kosten für die Jagd, wäre eine Waffensteuer eine doppelte Bestrafung.

Was kostet die Jagd?

Eckhardt: Wer ein Revier pachtet, muss zwischen 10 und 25 Euro und mehr pro Hektar im Jahr zahlen. Zudem muss der Jäger für Wildschäden aufkommen und Jagdsteuer zahlen. Wer keine eigene Jagd, sondern nur einen Begehungsschein hat, muss mit mindestens 1000 Euro pro Jahr rechnen. Müsste man dann noch 900 Euro Steuern für drei Waffen zahlen, wäre das unverhältnismäßig.

Es gibt aber auch Jäger, die weitaus mehr als die für die Jagd erforderlichen Waffen zu Hause haben.

Eckhardt: Durch Erbschaften kann es ganz schnell passieren, dass man plötzlich mehr als zehn Waffen im Tresor hat. Der Gebrauchtmarkt gibt es nicht her, dass man die Waffen schnell los wird. Aus materiellen, aber auch ideellen Gründen verschrottet nicht jeder Jäger diese Waffen.

Wäre es nicht ein Ansatz, Steuern zum Beispiel ab der sechsten Waffe zu erheben, um gegen übermäßigen Waffenbesitz vorzugehen?

Eckhardt: Das wäre ein Denkansatz. Allerdings müsste es eine Übergangslösung und eine Handhabe für den Altbesitz geben.

Wenn es um das Thema Jagd geht, dann reagieren Befürworter und Gegner oft sehr extrem. Woran liegt das?

Eckhardt: Jagd ist ein sehr emotionales und sensibles Thema, bei dem jeder alles besser weiß. Manche Gegner argumentieren, weil sie schlechte Erfahrungen mit Jägern gemacht haben, andere, weil sie einfach fundamentalistische Ansichten vertreten.

Jäger diskutieren aber auch nicht gern über Veränderungen oder Einschränkungen.

Eckhardt: Bei der Jagd geht es auch um Eigentum, Ehre und Privilegien. Es geht um das Privileg, in der Natur eine Waffe tragen zu dürfen und über das Privileg, über Leben und Tod zu entscheiden.

Das Thema kommunale Waffensteuer wird von unseren Lesern im Netz kontrovers diskutiert.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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