Justizministerium: Technischer Defekt für Ausfall verantwortlich - Bedienstete mögen 12-Stunden-Schicht

Kein Hessen-Fernsehen mehr im Knast: Absicht oder technischer Defekt?

Technischer Defekt ist verantwortlich: Seit dem 11. Mai gibt es hier kein Hessen-Fernsehen. Foto:  Koch

Kassel. Seit einigen Tagen kann in der JVA Kassel I kein Fernsehprogramm des Hessischen Rundfunks mehr empfangen werden. Thomas Henning vom Organisationsbüro Recht vermutet, dass auf diese Weise verhindert werden soll, dass die Häftlinge die Berichterstattung über das Gefängnis zu sehen bekommen.

Zudem, so Henning, werde den Gefangenen der Justizvollzugsanstalt in Wehlheiden die HNA nicht mehr ausgehändigt.

Dr. Hans Liedel, Sprecher des Justizministeriums, weist das zurück. Der Hessische Rundfunk könne seit dem 11. Mai „aufgrund eines technischen Defektes nicht empfangen werden“. Ein Reparaturauftrag sei erteilt, die Firma habe als den Termin für die Reparatur den 19. Mai genannt und bestätigt.

Lesen Sie auch:

- Justizminister Hahn bestreitet Rechtsverstöße in der JVA Kassel I

- Nach Artikel über Zustände im Knast: Justizbehörde will Maulwurf aus JVA finden

Am Tag, als im Knast der technische Defekt eintrat, also am Dienstag, 11. Mai, hat übrigens ein Team des Hessischen Rundfunks erstmals in der Hessenschau über die Vorwürfe gegen die JVA-Leitung berichtet.

Liedel weist auch zurück, dass die HNA den Gefangenen vorenthalten werde. „Die vier Abo-Exemplare der HNA wurden heute (Mittwoch), wie auch in den vergangenen Tagen, wie üblich verteilt. Unserem Kenntnisstand nach hat von den Gefangenen niemand die HNA abonniert. Also kann sie schwer vorenthalten werden“, sagt Liedel.

Immer wieder kritisieren JVA-Bedienstete die dünne Personaldecke. So ist üblich, dass an Wochenenden und Feiertagen 12-Stunden-Schichten im Freigängerhaus Baunatal und im Frauenknast in Kaufungen (beide gehören zur JVA Kassel I) gemacht werden müssen. Ein Insider behauptet, dass im Dienstplan keine Pausen vorgesehen sind. In Kaufungen, wo am Wochenende ohnehin nur drei JVA-Bedienstete anwesend seien, seien daher gar keine Pausen möglich.

Es treffe zu, dass die Bediensteten in den Zweiganstalten Kaufungen und Baunatal an den Wochenenden (bei Bedarf auch an Wochenfeiertagen) jeweils 12-Stunden-Schichten leisten, bestätigt Liedel. Das sei auch schon so in der ehemaligen Anstalt Kassel III gewesen. Diese 12-Stunden-Schichten gingen zurück auf die Einführung der 42-Stunden-Woche im Jahr 2004 und seien einvernehmlich mit der Personalvertretung im Sinne des Personals (jedes 2. Wochenende frei) dort so umgesetzt worden.

„Diese Schichten sind in ihrer Länge beliebt, weil sie weniger Wochenenddienste zur Folge haben“, sagt Liedel.

Den im Schichtdienst mit dauerhafter Präsenz am Arbeitsplatz eingesetzten Bediensteten werde selbstverständlich am Arbeitsplatz eine Erholungszeit zur Erfrischung und Einnahme von Speisen und Getränken eingeräumt, die Bestandteil der Arbeitszeit sei und im Zeiterfassungssystem auch nicht ausgewiesen werde. Diese Verfahrensweise sei bisher auf Wunsch des Personals und der Personalvertretungen bereits Standard und sei nunmehr in die Arbeitszeitverordnung des hessischen Justizvollzugs aufgenommen worden.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.