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Kein Laser zum documenta-Abschied

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Von: Bastian Ludwig

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Leuchtet seit August nicht mehr: Das Kunstwerk Laserscape hatte die Stadt infolge der Energiekrise abschalten lassen. Dabei wurde für die Laser extra eine Photovoltaik-Anlage auf dem Zwehrenturm installiert.
Leuchtet seit August nicht mehr: Das Kunstwerk Laserscape hatte die Stadt infolge der Energiekrise abschalten lassen. Dabei wurde für die Laser extra eine Photovoltaik-Anlage auf dem Zwehrenturm installiert. © Jörg Conrad

Auch am letzten documenta-Wochenende wird der Kasseler Nachthimmel dunkel bleiben. Die Stadt will den Laser vor dem Hintergrund der Energiekrise kurzfristig nicht wieder in Betrieb nehmen - trotz aller Kritik.

Kassel - Deshalb steht der Laser weiterhin zur Wartung bei einem Lasertechniker in Söhrewald. Dabei wurde vor einigen Jahren mithilfe von Spenden für den Laser eine Photovoltaik-Anlage auf dem Zwehrenturm installiert, die im Jahr mehr Energie erzeugt, als das 1977 geschaffene documenta-Kunstwerk „Laserscape“ verbraucht.

Zudem gibt es inzwischen das Angebot, einen Batteriespeicher für das Kunstwerk zu spenden, damit dieses in der Dunkelheit ohne Netzstrom laufen kann.

Das documenta Forum, das den Laser 2019 in die Hände der Städtischen Werke gegeben hatte, und der Verein Bewegungsperspektiven, der die Lichtkunst-Ausstellung Lichtewege am Weinberg organisiert und den Batteriespeicher spenden möchte, können die Entscheidung aus dem Rathaus nicht nachvollziehen. Sie plädieren für die rasche Inbetriebnahme des Lasers. Auf eine schriftliche Anfrage im Rathaus bekam das documenta Forum von Oberbürgermeister Christian Geselle jüngst mitgeteilt, dass „die energiesparende und nachhaltige Bewirtschaftung des Laserbetriebs“ zwar lobenswert sei, aber aufgrund der ernsten Lage auf dem Energiemarkt eine Reaktivierung aktuell nicht möglich sei. Es gehe dabei nicht allein um den tatsächlichen Verbrauch, sondern auch darum, Zeichen für das Energiesparen zu setzen.

„Es wäre ein gutes Zeichen gewesen, wenn der Laser zum Ende der documenta geleuchtet hätte. Wir hätten zeigen können, dass wir ohne fossile Energieträger den Laser strahlen lassen können“, sagt Sebastian Schulze-von Hanxleden vom Verein Bewegungsperspektiven für Licht, Kunst und Kultur. Es gebe keinen vernünftigen Grund mehr, den Laser weiterhin außer Betrieb zu lassen.

Schulze-von Hanxleden rechnet vor, dass die PV-Anlage auf dem Zwehrenturm im Jahr 500 Kilowattstunden produziert. Dies reiche theoretisch für den Betrieb des 2007 modernisierten Lichtkunstwerkes aus. Weil der rote und grüne Laser aber über der Stadt strahlten, wenn keine Sonne scheine, benötige er aktuell noch Netzstrom – wenn auch weniger, als die eigene PV-Anlage einspeise.

Um unabhängig vom Netzstrom zu werden, habe sein Verein den Städtischen Werken einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 20 Kilowattstunden als Spende angeboten. Dieser kam zuletzt beim Kunstprojekt Lichtewege auf den Weinbergterrassen zum Einsatz, das gerade zu Ende gegangen ist. Auch sei sein Verein bereit, weitere PV-Module für den Laser zu spenden, um diesen auch an den dunkelsten Wintertagen mit ausreichend erneuerbarer Energie zu versorgen.

Es gibt noch Hoffnung, dass der Laser trotz Energiekrise wieder in Betrieb geht. Die Energiesparmaßnahme sei gemeinsam von den Dezernenten beschlossen worden, so ein Rathaussprecher. Auf dieser Ebene würden künftige und aktuelle Maßnahmen geprüft und gegebenenfalls neu ausgerichtet. Die aktuelle Wartung könne nach Auskunft des documenta Forums innerhalb weniger Tage beendet werden. (Bastian Ludwig)

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