Volle Tonnen bleiben regelmäßig stehen

Zugeparkte Straßen: Kein Platz für Müllautos in Niederzwehren

Kurven sind zugeparkt: Die Anwohner Joachim Kühm (von links), Ralph Eichler und Sükrü Karacay ärgern sich, dass ihre Mülltonnen oft nicht angefahren werden können.
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Kurven sind zugeparkt: Die Anwohner Joachim Kühm (von links), Ralph Eichler und Sükrü Karacay ärgern sich, dass ihre Mülltonnen oft nicht angefahren werden können.

Zugeparkte Straßen führen dazu, dass die Mülltonnen von einigen Bewohnern im Kasseler Stadtteil Niederzwehren nicht mehr geleert werden können.

Kassel - Anwohner, die am Wendeplatz in der Straße Im Windenfeld in Niederzwehren wohnen, sind sauer und genervt. Seit einigen Wochen werden ihre Mülltonnen nicht mehr geleert. Sie müssten deshalb ständig bei den Stadtreinigern anrufen und reklamieren, sagen Ralph Eichler, Joachim Kühm und Sükrü Karacay.

Sie wüssten, so die Anwohner, dass dies keine böse Absicht der Stadtreiniger ist. Aber die Mitarbeiter kämen mit den großen Müllautos oft nicht mehr durch die zugeparkten Straßen. Vor Ort habe man mehrere neuralgische Punkte, so die Anwohner. Die Problematik habe sich verschärft, seitdem vor zwei Jahren Reihenhäuser auf einer leeren Fläche gebaut worden seien. In dem Wohngebiet sei immer mehr verdichtet worden, aber niemand habe sich um die Parkplätze der Bewohner Gedanken gemacht, so Eichler.

Ihren Unmut über diesen Zustand haben die Anwohner in der vergangenen Woche in der Sitzung des Ortsbeirats zum Ausdruck gebracht. Bei Niederzwehrens Ortsvorsteher Harald Böttger trafen sie auf Verständnis. „Ich habe von Anfang an moniert, dass die Situation irgendwann eskalieren wird“, so Böttger. Es werde immer mehr gebaut, was immer mehr Fahrzeuge zur Folge habe. Nicht nur die Müllabfuhr habe es deshalb mittlerweile schwer. Dieselbe Problematik gebe es nämlich auch mit Rettungsfahrzeugen.

Der Ortsvorsteher wirft der Stadt Kassel vor, dass sie sich generell zu wenig Gedanken über Parkplätze bei Neubauten mache. Böttger gibt ein Beispiel: So habe es die Stadt Kassel zum Beispiel versäumt, die Wohnungsbaugesellschaft Vonovia, die in der Silberbornstraße neu baut, über die Parkproblematik vor Ort zu informieren. Das habe er selbst erledigt. Er sei froh, dass Vonovia daraufhin zugesichert habe, mehr Parkraum zu schaffen.

Zwar werde immer davon gesprochen, dass die Menschen weniger Privat-Pkw haben, doch sehe die Realität anders aus. In Niederzwehren gebe es einige Haushalte, die nicht nur zwei Autos, sondern sogar drei Fahrzeuge hätten, weil sie sich noch ein Wohnmobil oder Cabriolet angeschafft hätten, so Böttger.

Die Statistik unterlegt diesen Trend: Die Pkw-Dichte in der Stadt Kassel hat in den vergangenen zehn Jahren zugenommen. Gab es 2009 einen Wert von 355,0 Privat-Pkw, so ist er bis 2019 auf 376,4 Fahrzeuge angestiegen. In Niederzwehren liegen die Zahlen sogar über dem Durchschnitt der Stadt: Dort wurde 2009 eine Dichte von 419,8 Fahrzeugen auf 1000 Bewohner festgestellt, 2019 waren es 444,4 Fahrzeuge.

Um eine Lösung für das Problem in der Straße Im Windenfeld zu finden, wollen sich die Stadtreiniger mit dem Straßenverkehrsamt sowie dem Ordnungsamt vor Ort treffen, sagt Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger. Möglicherweise sei ein temporäres Halte- beziehungsweise Parkverbot in diesem Bereich erforderlich.

Bisher hätten die Fahrer der Stadtreiniger versucht, die Straße zu unterschiedlichen Zeiten anzufahren, um die Leerung der Tonnen zu realisieren. „Wir haben es direkt zum Tourenstart am Morgen, am Mittag und am Nachmittag versucht“, so Knebel. Doch seit der Fertigstellung der Reihenhäuser habe die „Verparkung“ weiter zugenommen und die Leerung der Tonnen könne oftmals nur über ein kleineres Müllfahrzeug, was für diese Tour nicht vorgesehen ist, erfolgen.

Die Anwohner vertreten die Ansicht, dass die Problematik nur durch absolute Halteverbote in dem Bereich beseitigt werden kann. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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