Initiative will das Trafohäuschen am Lutherplatz mit Leben füllen

Kein Platz für Kultur ?

Sie wollen den Trafo wieder zum Kulturort machen: Karsten Winnemuth (Dritter von links) und seine Mitstreiter aus der Kulturszene, darunter Vertreter der Kulturfabrik Salzmann, der Vereine „Kuki“ und „Ganz im Leben“. Foto: Dilling

Kassel. Die Zukunft des unter Denkmalschutz stehenden Trafohäuschens am Lutherplatz ist ungewiss. Die Städtischen Werke als Eigentümer haben einen Abrissantrag gestellt, um einen neuen Trafo zu bauen. Der Architektenverband BDA und andere setzen sich für dessen Erhalt ein.

Nun hat sich ein „Freundeskreis Trafo“ gegründet, der das Gebäude ebenfalls retten, bespielen und als kulturelles Aushängeschild für die nächste documenta 2017 aufwerten will. Der Kreis hat einen entsprechenden Brief an den Kulturdezernenten der Stadt, Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD), geschickt. Doch eine Chance für die Umsetzung dieser Idee wird der Freundeskreis wohl nicht bekommen.

An sich könne sich die Stadt „eine kulturelle Nutzung vorstellen“, teilte Pressesprecher Ingo Happel-Emrich auf Anfrage mit. Voraussetzung sei ein tragfähiges Nutzungskonzept. Kryptisch heißt es dann aus dem Rathaus weiter, die Städtischen Werke hätten mitgeteilt, ihre neue Technik benötige so viel Platz, dass eine andere Nutzung des Trafohäuschens nicht möglich sei. Eine konkrete Anfrage an die Werke, wie sie sich die Zukunft des Trafohäuschens vorstellen, bleibt - trotz Zusage - unbeantwortet. Auch die Stadt bleibt die Antwort auf die Frage, was denn nun aus dem geplanten Abriss wird, schuldig.

Bis vor drei Jahren hat die Kulturinitiative Trafo das markante Häuschen am Lutherplatz mit Ausstellungen und kreativen Aktionen bespielt. Die Aktivisten von damals sind mit dem Freundeskreis von heute teilweise identisch: Schon damals engagierte sich vor allem der Künstler Karsten Winnemuth. „Hier ist Substanz. Wir wollen den Ort mit Blick auf die documenta 2017 transformieren“, sagt er. Er möchte unter anderem seine „lebendige Skulptur plan t“, ein Ensemble von seltenen Pflanzen und Blüten, am Trafohäuschen fortführen. Das Projekt musste er aufgrund der Kündigung der Werke einstellen.

Damals ging der Kulturbetrieb am Trafohäuschen allerdings nicht ohne Ärger ab. Denn auch für Drogen- und Alkoholsüchtige war das von allerlei Büschen und Bäumen verborgene Umfeld des Gebäudes aus den 1950er-Jahren ein Anziehungspunkt. Dann kündigten die Städtischen Werke der Kulturinitiative. Seitdem steht das Trafohäuschen leer. Die Treppe ist marode, Müll wird gern über den Absperrzaun geworfen, auch eine Scheibe ist zerstört.

Was die Drogenproblematik betreffe, habe sich die Lage entspannt, sagt Winnemuth. Die Jugendkulturkirche kümmere sich, ein Streetworker schaue vorbei, die Szene habe sich inzwischen andere Orte gesucht. Es lohne sich, Geld in das marode Gebäude zu stecken.

Von Peter Dilling

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