Kein Platz für Zuschauer

Kein Platz für Zuschauer: Kritik an Planung des Auebads

Kassel. „Das ist kein Wettkampfbad, sondern ein Freizeitbad“, sagt Norbert Kistner. Der Schatzmeister des Kasseler Schwimmvereins, der sich seit 20 Jahren für den Schwimmsport in Kassel und Umgebung engagiert, ist enttäuscht.

Von Anfang an habe er sich für die Planung des neuen Auebads interessiert und eingemischt. Berücksichtigt wurde so gut wie nichts. Es seien störende Kleinigkeiten, die sich summierten und das Ausrichten von größeren, überregionalen Wettkämpfen unmöglich machten, sagt Kistner.

So sei ursprünglich eine Tribüne vorgesehen gewesen. Jetzt sei das ganze auf zwei Wärmebänke zurückgefahren worden. Auch die geringe Zahl an 180 Umkleideplätzen sei fatal. „Wie sollen wir da Wettkämpfe ausrichten?“  Auch dass es kein Ausschwimmbecken gibt, bereite den Vereinen Bauchschmerzen.

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Bei der jüngsten Besichtigung des Kombibands war Kistner dabei, zusammen mit einer treuen Truppe interessierter und kritischer Menschen, die regelmäßig an den Auedamm kommen, um sich von Bauleiter Karsten Luttrup-Bauer über die Baufortschritte informieren zu lassen. „Das Gebäude ist so gut wie erstellt“, sagt Luttrup-Bauer. Im rückwärtigen Bereich wird zurzeit die Holzverkleidung angebracht.

Es gibt eine Menge zu bestaunen, im Innenbereich, wo das Sportbecken bereits gefliest ist, und auch außen: Zur Fulda hin sind das Außenbecken mit einem Häuschen für die Badeaufsicht sowie das Becken am denkmalgeschützten 10-Meter-Sprungturm in ihren Ausmaßen erkennbar. „Der Sauna-Garten ist von der Schwimmbadbrücke aus einsehbar“, kritisieren die Gäste. Hier werde es später einen Sichtschutz durch Pflanzen geben, sagte Luttrup-Bauer. Er gibt auf alle Fragen geduldig Auskunft. In der nächsten Woche werden die Fliesenleger damit beginnen, den Bereich des Freizeit- und Spaßbads zu fliesen. „Auch wenn es knapp wird, den Eröffnungstermin 5. Juli halten wir.“

Das sagen die Kritiker:

-- Becken im Schatten --

Das Außenschwimmbecken ist viel zu klein und so ungünstig platziert, dass es viele Stunden am Tag im Schatten des Hallenbads liegt“. So lautet die wiederholt geäußerte Kritik von Kerstin Saric von der Initiative Pro Auebad. Sie wünscht sich zudem Saisonkarten sowie Wertkarten für mehrfache Eintritte, „ähnlich wie derzeit im Stadtbad Mitte“. In der Sommersaison sollten reduzierte Eintrittspreise für Frühschwimmer in der Zeit von 8 bis 10 Uhr und Feierabendtarife eingerichtet werden, so wie sie im Freibad am Auedamm bisher ab 17 Uhr möglich waren. Ein Familienticket müsste im Sinne der Familienfreundlichkeit bis zu vier Kindern den freien Eintritt ermöglichen.

-- Therapeuten fehlen --

Im neuen Auebad mit seiner großzügigen Saunalandschaft und idealen Wassertemperaturen fehlen gänzlich Angebote von medizinischen Anwendungen, Rehamaßnahmen und Krankengymnastik wie Unterwassergymnastik, sagt der Kasseler Schwimmer Klaus Hansmann. „Es ist ja nicht notwendig, dass der Betreiber hierfür Fachpersonal anstellt, sondern er könnte Räume an selbstständige Therapeuten verpachten." Das würde Einnahmen bringen und gleichzeitig die Angebotspalette vor allem für Ältere und behinderte Menschen erweitern.

Fotos der Auebad-Baustelle

Auebad-Baustelle: Es geht voran

Chronik gestiegener Baukosten

Die Stadtverordneten haben im Dezember 2008 beschlossen, dass am Auedamm ein Familien- und Freizeitbad mit Großrutsche und Gastronomie, Sportbecken und acht 50-Meter-Wettkampfbahnen, Lehrschwimmbecken, Saunaanlage, Freibad und 10-Meter-Sprungturm mit Becken entstehen soll.

• Zur Zeit des Architektenwettbewerbs im Sommer 2009 wurden die Kosten für das neue Bad auf 24 Millionen Euro geschätzt.

• Im November 2009 gingen die Planer bereits von 25,5 Millionen Euro Kosten aus.

• Am 10. Mai 2010 war in der HNA zu lesen: Das neue Auebad wird deutlich teurer. Statt mit Baukosten in Höhe von 25 Millionen Euro rechnet man im Rathaus mit 28 bis 33 Millionen Euro. Diese Zahlen nannte Kämmerer und Bäderdezernent Dr. Jürgen Barthel (SPD). Neben einer Steigerung bei den Baukosten schlug die aufwändige Gründung in der Fuldaaue zu Buche. Damit die Kosten in der von Barthel genannten Bandbreite von +/- 20 Prozent bleiben, müssten Abstriche gemacht werden, hieß es.

• Im August 2010 liegen die errechneten Kosten bereits bei 30,3 Millionen Euro. Darin sind laut Barthel 150.000 Euro zusätzlich für Angebote an Kinder und Jugendliche wie ein Wasserspielplatz enthalten. Die Fraktionen waren aufgefordert, Einsparvorschläge zu machen.

• Am 14. Juni 2012 ist in der HNA zu lesen: „Der Bau des Auebads könnte teurer werden als geplant.“ Grund seien die hohen Preise bei den Angeboten auf Ausschreibungen, sagte Jürgen Barthel: Die Stadt liege aber im Rahmen eines Gesamtbudgets von 31 Millionen Euro.

Von Christina Hein

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