Am Klinikum Kassel ist Zahl der Entnahmen nach Transplantationsskandal noch stabil

Kein Tief bei Organspende

Großer Aufwand: Bei einer Organentnahme - hier eine Niere - müssen viele Abläufe gleichzeitig geschehen. Archivfoto: dpa

Kassel. Die Zahl der Organspenden ist nach den Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) bundesweit deutlich gesunken. Die Stiftung führt den Rückgang auf die Transplantationsskandale im vergangenen Jahr in einzelnen deutschen Kliniken zurück und befürchtet einen weiteren Rückgang der Spendenbereitschaft, weil viele Menschen verunsichert seien. In Hessen ist die Zahl der Organentnahmen entgegen dem bundesweiten Trend stabil geblieben. 2012 wurden 83 Spendern Organe entnommen, ein Jahr zuvor waren es 82.

„Wir legen sehr viel Wert auf Transparenz, das Klinikum ist im Umgang mit Organentnahmen gut organisiert.“

Oberarzt Christian Roth

Laut seinem Transplantationsbeauftragten Dr. Christian Roth waren es am Klinikum Kassel im Jahr 2012 14 Organentnahmen (2011 waren es 15). Die Zahlen wirken auf den ersten Blick gering. Das Klinikum liegt damit jedoch hessenweit an der Spitze. „Dies verdeutlicht, wie wenige Verstorbene überhaupt für eine Organentnahme infrage kommen“, sagt Roth.

Der Skandal, bei dem Transplantationskliniken in Göttingen, Regensburg, München und Leipzig Daten manipuliert und so Patienten schneller zu einem Spenderorgan verholfen hatten, hatte bisher nach der Einschätzung Roths zumindest am Klinikum Kassel keinen großen Einfluss auf die Spendenbereitschaft. 2013 wurden bisher von zwei am Hirntod gestorbenen Patienten Organe entnommen. Roth: „Man muss jetzt abwarten, wie es sich entwickelt.“

Der Oberarzt führt die stabil gebliebene Zahl der Organentnahmen vor allem auf die umfangreiche Information und Einbindung der Angehörigen zurück. „Außerdem legen wir sehr viel Wert auf Transparenz, das Klinikum ist im Umgang mit Organentnahmen gut organisiert“, sagt er. Gespräche mit den Angehörigen führten beispielsweise speziell geschulte Ärzte, Pfleger und Seelsorger.

Das Problem: Viele Menschen haben beispielsweise mit einem Organspenderausweis oder in ihrem Testament nicht klar geregelt, ob im Fall eines Hirntodes Organe entnommen werden dürfen oder nicht. „In diesem Fall müssen die Angehörigen die Entscheidung treffen, etwa auf Basis einer mündlichen Willensbekundung des Patienten“, erklärt Roth. Er rät, diese Entscheidung nicht den Angehörigen zu überlassen. Denn für sie ist dies eine zusätzliche Belastung. Die Entscheidung muss außerdem schnell getroffen werden.

Bei der Organentnahme muss vieles gleichzeitig passieren. Zunächst muss diagnostiziert werden, welche Organe für eine Spende infrage kommen, und dann müssen die potenziellen Empfänger ermittelt werden. Ist das geklärt, kommen Teams aus Transplantationskliniken nach Kassel und entnehmen die Organe. Gleichzeitig müssen die Empfänger für die Operation vorbereitet werden. Es kann sein, dass eine Niere in Hamburg und das Herz in München transplantiert werden. Koordiniert wird das Ganze von der Deutschen Stiftung Organtransplantation. (mkx) Hintergrund

Von Mirko Konrad

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