Bodendenkmal verhindert Verlängerung südlich von Nordshausen

Erdaufschüttung an A44: Kein Wall bis Wilhelmshöhe

Kassel. Der Erdwall entlang der A 44 nahe des Autobahnrastplatzes Baunsberg wird nicht verlängert. Aktuell wird der sogenannte Wall 3 im Abschnitt zwischen Altenbaunaer Straße und Rastplatz südlich von Nordshausen aufgeschüttet.

Im sich daran anschließenden Gebiet befindet sich auf etwa 300 Metern Länge ein geschütztes Bodendenkmal. Es steht dem Weiterbau des Walls in Richtung Wilhelmshöhe sprichwörtlich im Weg.

„Bei dem Bodendenkmal handelt es sich um eine eisenzeitliche Siedlung sowie mittelalterliche Wüstung“, sagt Dr. Klaus Sippel vom Landesamt für Denkmalpflege. Die rund 70 600 Quadratmeter große Fundstelle sei mit Blick auf die Siedlungsgeschichte des Kasseler Beckens von großem archäologischen Wert. „Deshalb kann es von unserer Seite aus keine Genehmigung für eine Verschüttung durch einen Wall geben.“

Angebot von Baufirmen

Das Umwelt- und Gartenamt Kassel hofft noch auf ein anderes Ergebnis. Grund: Zumindest die drei beteiligten Baufirmen Baureka, Schnittger und Eurovia als Vertragspartner der Stadt würden an einer Verlängerung des Walls gut verdienen – so wie jetzt schon am Wall 3. Seit 2009 werden hier Erde und Bauschutt aus der gesamten Region aufgeschüttet. Auch die Stadt würde hieran sogar etwas verdienen, hatte Regula Ohlmeier, Leiterin des Umwelt- und Gartenamtes, unlängst geäußert.

Denkmalschutz wird beachtet

„Natürlich beachten wir die Belange des Denkmalschutzes“, sagt Ohlmeier. Deshalb sei dem Landesamt für Kulturpflege bereits ein Angebot der Firmen unterbreitet worden, das Bodendenkmal auf eigene Kosten mit einem speziellen elektromagnetischen und bildgebenden Verfahren zu erfassen, um archäologisch relevante Informationen für die Nachwelt zu erhalten. „Wir halten viel von der Idee und wären damit im Sinne des Denkmalschutzes einverstanden“, sagt Ohlmeier.

Aber auch hier sieht Sippel keinen Weg. Verfahren dieser Art würden nicht annähernd das wiedergeben, was eine Ausgrabung an Details zutage befördern würde. Doch sei eine komplette Ausgrabung wegen des schwierigen Untergrunds und der komplexen Schichtungen vor Ort nicht finanzierbar. „Das wäre kein gutes Geschäft für die beteiligten Baufirmen.“

Wall ist „nicht zwingend“

Aus diesen Gründen und der „ohnehin nicht zwingenden Notwendigkeit des Walls an dieser Stelle“ habe der Schutzstatus des Denkmals weiterhin Bestand. Sippel: „So kann es also bestenfalls nur noch hinter der Wüstung mit dem Wall bis Wilhelmshöhe weitergehen.“

Von Boris Naumann

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