Tödliche Messerattacke auf Gast: Anklage will sieben Jahre Jugendstrafe

Kassel. Bevor plädiert wurde an diesem Dienstag im Landgericht, trat die Mutter des Getöteten in den Zeugenstand. Und es dauerte nicht lange, da war es mit der Fassung der 60-Jährigen vorbei. „Es tut so fürchterlich weh, ein Kind zu verlieren“, klagte die Frau.

Sie begann zu schreien: „Er war mein eigenes Fleisch und Blut - und dann wird er einfach abgestochen. Von so einem Schwein!“

Das „Schwein“ ist der 20 Jahre alte Mann auf der Anklagebank. An einem frühen Julimorgen 2011 hat er einen Gast seiner Einweihungsparty an der Mombachstraße erstochen – einen 26-Jährigen, den ein Nachbar mitgebracht hatte. Und den der Angeklagte an jenem Abend zum ersten Mal gesehen hatte. Die Staatsanwaltschaft fordert, dass der junge Mann, der sich von Anfang an zu der Tat bekannte, dafür mit einer Jugendstrafe von sieben Jahren verurteilt wird. Wegen Totschlags. „Am Tötungsvorsatz können keine Zweifel bestehen“, sagte Staatsanwältin Ute Spellbrink.

Dabei war es nur ein einziger Stich gewesen. Doch der traf genau in die schmale Lücke zwischen zwei Rippen und ging mitten ins Herz. Und das alles nur, weil der angetrunkene und streitlustige 26-Jährige partout die Party nicht verlassen wollte. Und auch dann nicht ging, als der Gastgeber ihn mit einem Klappmesser bedrohte.

Vor dem tödlichen Stich hatte sich das Opfer vor dem Angeklagten noch einmal aufgeplustert und großspurig verkündet: „Stich doch zu!“ So etwas, befand Nebenklägeranwalt Markus Sittig, mache man nur, wenn man nicht ernsthaft mit einer Messerattacke rechne. Also sei der Sohn seiner Mandantin arg- und wehrlos von dem Angriff überrascht worden. „Ich bleibe dabei, dass das ein heimtückischer Mord ist“, sagte Sittig und plädierte auf neun Jahre Jugendgefängnis.

Verteidiger Uwe Schüßler dagegen hielt dreieinhalb Jahre für ausreichend. Für ihn war die Tat lediglich ein minderschwerer Fall des Totschlags, weil der Angeklagte von seinem widerborstigen Gast zuvor „zum Zorn gereizt“ worden sei, wie es im entsprechenden Paragrafen des Strafgesetzbuchs heißt. Dass der Mann sich nicht habe rauswerfen lassen, sei als die „schwere Beleidigung“ zu werten, von der im Gesetz die Rede ist. Aber auch schon am Tötungsvorsatz könne man sehr wohl zweifeln, meinte der Anwalt. Denn der 20-Jährige habe keineswegs aufs Herz gezielt, sondern unkontrolliert zugestochen. Ein tragischer Zufallstreffer.

Am Donnerstag soll das Urteil verkündet werden.

Von Joachim F. Tornau

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