Handwerker sehen die Marktöffnung für die osteuropäische Konkurrenz gelassen

Keine Angst auf dem Bau

Kassel. Weitgehend entspannt blicken Bauunternehmer, Maler und Gebäudereiniger auf den 1. Mai 2011. Dann können Menschen aus acht mittel- und osteuropäischen Ländern ihre Arbeitskraft in diesen Branchen problemlos in Deutschland anbieten. Eine Arbeitsgenehmigung ist nach EU-Gesetz nicht mehr nötig. Die Angst vor billiger Konkurrenz besteht bei den Handwerkern allerdings kaum.

„Öffnungen des Wettbewerbs hat es immer gegeben“, sagt Andreas Lieberknecht. Der Geschäftsführer der Bauinnung Kassel vertraut auf den gesetzlichen Mindestlohn im Baugewerbe, der auch für ausländische Arbeitnehmer und Firmen gilt. „Wenn der Mindestlohn marktgerecht ist und sich alle daran halten, dann ist das ein Bollwerk, auf das wir uns verlassen können“, sagt Lieberknecht.

Im westdeutschen Baugewerbe gilt nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz für Facharbeiter ein Mindestlohn von 12,95 Euro; Hilfskräfte erhalten 10,90 Euro. Dass diese Vorgaben eingehalten werden, überprüft der Zoll. In Kassel macht die Finanzkontrolle Schwarzarbeit Jagd auf Firmen, deren Mitarbeiter zu Dumpinglöhnen arbeiten.

Kontrolle ist schwer

Bauunternehmer Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel, weiß aber auch: „Es ist schwer kontrollierbar, ob Lohnvorgaben eingehalten werden. Etwa dann, wenn für zwölf Stunden Arbeit nur acht aufgeschrieben werden. Oder wenn der Chef für einen Wohncontainer 500 Euro vom Lohn abzieht.“

Auch die Gebäudereiniger sehen die Ost-Öffnung des Handwerker-Wettbewerbs gelassen. „Wir haben uns vorbereitet“, sagt Bernd Schmitt aus Niestetal, Vorstandsmitglied der Landesinnung. Auch seine Branche ist inzwischen durch einen gesetzlichen Mindestlohn gegen Billiganbieter abgesichert. „Wir sind guten Mutes, dass das auch eingehalten wird“, sagt Schmitt. Er hofft darauf, dass die Kunden so verantwortungsvoll sind, offensichtliche Dumpingangebote nicht anzunehmen.

Handwerks-Präsident Gringel sieht eine Chance für lokale Betriebe, noch stärker auf Qualität zu setzen. Das betont auch Kreishandwerksmeister Bernd P. Doose: „Ich sehe für das Handwerk keine Probleme“, sagt der Kasseler Malermeister: „Unser Meisterbrief bürgt für Qualität, und gerade Privatkunden wollen diese Absicherung.“ Weitere Artikel

Von Marcus Janz und Bastian Ludwig

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