Mercedes-Benz: Gute Erfahrungen mit hörgeschädigten Auszubildenden

Oldtimer im Blick: Emma Michelson, David Wahlich und Markus Bialecki (vorn von links) fühlen sich in der Werkstatt von Mercedes-Benz wohl. Niederlassungsleiter Lars Pauly, Dr. Matthias Windisch (Verein Aha), Elke Thimsen, Birgit Riester (Verein Fab) und Serviceleiter Alexander Rolf schauten sich ihre Arbeitsplätze an. Foto: Dilling

Kassel. Die Verständigung mit Emma Michelson, David Wahlich und Markus Bialecki fällt einem Ungeübten schwer. Da muss man genau hinhören und sehr laut sprechen: Die drei jungen Leute sind stark hörgeschädigt. Für den Mitarbeiter einer Autowerkstatt ist das ein großes Handicap.

Man muss schließlich rechtzeitig merken, wenn ein Wagen heranbraust oder eine Hebebühne ausschwenkt.

Dennoch haben die drei ihre Arbeit voll im Griff: Die Mercedes-Benz Niederlassung Kassel-Göttingen an der Sandershäuser Straße hat ihnen eine Chance gegeben: Wahlich (23) und Bialecki (20) werden seit vergangenem Jahr zu Mechatronikern ausgebildet. Emma Michelson lernt Lackiererin.

Ohne zusätzlichen Aufwand in der Werkstatt war das nicht möglich: Für wichtige Ausbildungsphasen engagiert Mercedes einen Gebärdendolmetscher. Maschinen, die bisher mit akustischen Signalen arbeiteten, mussten auf Lichtsignale umgestellt werden. Überhaupt dürfen die Werkstattmitarbeiter nur noch mit aufgeblendeten Scheinwerfern in der Werkstatt rangieren. Huptöne könnten die drei Azubis überhören. Doch der Aufwand habe sich gelohnt, sagt Serviceleiter Alexander Rolf. „Die jungen Leute sind sehr dankbar für den Ausbildungsplatz. Das geben sie uns mit einer grandiosen Leistung zurück“, berichtet er. Rolf und Niederlassungsleiter Pauly sind der Ansicht, auch andere Betriebe sollten es ruhig mal mit Azubis versuchen, die ein körperliches Handicap haben. Diese seien oft hoch motiviert.

Für ihr Engagement hat die Mercedes-Benz-Niederlassung bereits vergangenes Jahr den Förderpreis des Landes Hessen für beispielhafte Integration

behinderter Menschen erhalten. Von dem Preisgeld profitieren nun weitere Menschen mit Handicap: Mercedes hat das Preisgeld verdoppelt und je 3000 Euro an die Kasseler Vereine Aha und Fab gespendet, die sich beide um Behinderte kümmern. (pdi)

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