Ikea will Spenden sammeln, um Schmierereien zu entfernen

Verbotene Ikea-Werbung an Kasseler Herkules: „Wir hätten das niemals gestattet“

So wollte Ikea Danke sagen: 15 Minuten lang leuchtete der Schriftzug am Donnerstag zum 40. Geburtstag des Kasseler Möbelhauses am Herkules. Nach der illegalen Aktion will Ikea nun eine Spendenaktion starten.
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So wollte Ikea Danke sagen: 15 Minuten lang leuchtete der Schriftzug am Donnerstag zum 40. Geburtstag des Kasseler Möbelhauses am Herkules. Nach der illegalen Aktion will Ikea nun eine Spendenaktion starten.

Diese Werbung polarisiert: Ikea ließ den Kasseler Herkules mit seinem Namen beleuchten. Viele fanden es gut, einige forderten eine Anzeige. Nun könnte es eine überraschende Lösung des Konflikts geben.

Kassel – Am Freitagabend sah Andreas Pohl seine Ikea-Mitarbeiter weinen. Auf dem Parkdeck des Möbelhauses hatte der Leiter der Kasseler Filiale ein Autokino für sie aufbauen lassen. Dort wurde ein Film über die spektakuläre Lichtwerbung gezeigt, die Ikea am Vorabend an den Herkules geworfen hatte. „Viele Mitarbeiter hatten vor Freude Tränen in den Augen“, sagt Pohl.

Einige seien froh gewesen, dass Ikea, das einst als „unmögliches Möbelhaus“ für sich warb, seinem Namen alle Ehre machte. Auch im Netz gab es viel Lob für die Guerilla-Marketing-Aktion, die die Agentur Tigertatze umgesetzt hatte. Einige Kommentatoren fanden es aber auch unmöglich, dass 15 Minuten lang der leuchtende Schriftzug „40 Jahre Ikea Kassel“ am Unesco-Welterbe zu lesen war. Manche forderten sogar eine Strafanzeige.

Auch bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), die für den Herkules zuständig ist, waren die Reaktionen gespalten, wie Sprecherin Lena Pralle sagt: „Wir hätten das niemals gestattet.“ Die größte Sorge ist, dass nun auch andere Firmen das Kasseler Wahrzeichnen als Werbefläche entdecken könnten.

Im vorigen Jahr hatten bereits Umweltschützer von Extinction Rebellion mit einem Transparent am Herkules auf den Klimawandel aufmerksam gemacht. Eine kommerzielle Aktion gab es dort bislang jedoch noch nie, wie Pralle sagt: „So etwas ist grundsätzlich verboten und soll auch verboten bleiben.“

Eine Anzeige hat die MHK auch deshalb nicht gestellt, weil ein Straftatbestand unsicher ist. David Balhorn von der Agentur Tigertatze hatte sich im Vorfeld bei einem Rechtsanwalt informiert, was ihnen drohen könnte. Die Antwort: „Das ist maximal eine Ordnungswidrigkeit.“ Ikea-Leiter Pohl betont, dass nichts beschädigt worden sei: „Licht tut nicht weh.“ An diesem Mittwoch will er sich mit der MHK treffen. Eine im Nachhinein verhängte Gebühr findet Pralle schwierig. Eine verbotene Aktion würde so legalisiert.

Gegenüber der HNA machte Pohl ein ungewöhnliches Angebot. Mit Fotos von der Aktion könnten Spenden gesammelt werden, die Ikea für die Beseitigung von Schmierereien am Herkules zur Verfügung stellen würde.

Seinen 40. Geburtstag feierte das Kasseler Möbelhaus auch, indem es 40 000 Euro an zehn Vereine sowie jeweils 400 Bäume an Mitarbeiter und Hessen-Forst spendete.

Im Autokino lief für die Mitarbeiter übrigens ebenfalls die schwedische Komödie „Kill Billy“, in der es um eine Entführung des Ikea-Gründers Ingvar Kamprad geht. Dass Ikea demnächst den Herkules entführt, ist eher unwahrscheinlich. So etwas gab es bislang nur in einem Comic: Davon erzählen der ehemalige HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden und Zeichner Niko Mönkemeyer in „Ephesus und Kupille – Die Entführung des Herkules“.

Von Matthias Lohr

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