Bestimmte Unternehmen müssen nach einer Verfügung des Regierungspräsidiums Schutz sicherstellen

Keine Chance für Geldwäscher

Mehr Vorsicht: Verstärkte Kontrollen und Beauftragte in Unternehmen sollen Geldwäsche beim Kauf von Luxusgütern und Immobilien erschweren. Foto: dpa

Kassel. Im Zuge der verstärkten Kontrollen gegen Geldwäsche hat das Regierungspräsidium (RP) Kassel jetzt verfügt, dass Unternehmen unter bestimmten Bedingungen einen Beauftragten zum Schutz vor Geldwäsche bestellen müssen.

Bei der Geldwäsche geht es darum, illegal erworbenes Geld (Prostitution, Menschen-und Drogenhandel, Waffenschmuggel) durch Bargeschäfte und in der Regel mehrfache Transfers beispielsweise legal in Aktien, Firmen oder Anleihen anzulegen. Wer mit hochwertigen Gütern handelt, etwa mit Edelsteinen, Schmuck, Uhren, Autos oder Kunstgegenständen, mindestens zehn Mitarbeiter und im vergangenen Jahr bei einem Geschäft mindestens 15 000 Euro bar angenommen hat, ist zur Bestellung des Beauftragten verpflichtet.

Die Verfügung sei im Interesse der Firmen, sich vor Geldwäsche zu schützen, sagt RP-Sprecher Michael Conrad. Den Anstoß gab die Europäische Union, weil aus Deutschland vergleichsweise wenig Geldwäscheverdachtsanzeigen kamen.

In der Region dürften laut Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg nur eine Handvoll Unternehmen von der Verfügung betroffen sein. „Im Fokus stehen große Autohäuser und vereinzelt Immobilienmakler, die mehr als zehn Mitarbeiter haben“, sagt Carsten Heustock, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik,  Unternehmensförderung,  International bei der IHK. Nach dem Register der Gewerbeanmeldungen gibt es in Kassel 19, im Landkreis elf Autohäuser, die die Verfügung aufgrund ihrer Mitarbeiterzahl beträfe. Allerdings werden die Zahlen nicht regelmäßig aktualisiert. Heustock schätzt die Zahl in der Region daher auf 15 bis 20.

Rückmeldungen aus Unternehmen des Kammerbezirks zeigten, dass Geldwäsche auf dem privatwirtschaftlichen Sektor erst langsam zu einem Thema werde. In Bezug auf die RP-Verfügung sagt Heustock: „Der bürokratische Aufwand muss sich vor allem für kleinere Unternehmen in Grenzen halten.“

Für das Autohaus Wahl in Kassel ist das Thema nicht neu. Der größte Teil der Autos werde zwar finanziert und geleast, aber es gebe auch Kunden, die bar bezahlten, sagt Geschäftsleiter Thorsten Adomat. Dann würden die Formulare ausgefüllt, die der Gesetzgeber verlangt. Bei jedem Bargeldgeschäft über 15 000 Euro ist der Gewerbetreibende verpflichtet, seinen Kunden mittels Personalausweis zu identifizieren und das Geschäft zu protokollieren.

Auch bei Immobiliengeschäften kommt es laut dem Kasseler Immobilienwirt Siegfried Putz durchaus vor, dass vor allem kleine und mittelgroße Wohnungen bar bezahlt werden. „Viele haben das Geld aus einer Erbschaft, aus Immobilienverkäufen oder angespart“, sagt Putz. In der Branche sei es aber generell üblich, die Identität durch Personalausweis-Kopien zu prüfen und zu dokumentieren. Bei Firmen diene das Handelsregister zur Identifikation. (mkx) Hintergrund Das sagt ...

Von Mirko Konrad

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