Wie ein Gewitter im Sommer

Keine Gesundheitsgefahr: Industrieschnee fiel nur in einigen Stadtteilen in Kassel

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Naturphänomen: In Wehlheiden, wie hier an der Ludwig-Mond-Straße, lag in vielen Straßen eine dichte Schneedecke.

Kassel. Geschlossene Schneedecke in Wehlheiden und im Vorderen Westen, in Waldau und Wolfsanger fiel in den vergangenen Tagen nicht eine Flocke. Was war denn da los?

Das Phänomen nennt sich Industrieschnee.

„Der Grund für dieses Phänomen, das als Industrieschnee bezeichnet wird, ist die besondere Wetterlage, die wir aktuell in Deutschland haben“, sagt Meteorologe Matthias Habel von vom Wetterportal Wetteronline. Extremer Hochdruck mit Nebel, der sich kaum auflöst und frostigen Temperaturen.

Industrieschnee heißt es, weil große Industrieanlagen, wie Kraftwerke oder Müllverbrennungsanlagen, für diese Art von Schnee verantwortlich sind. In der Luft schweben feinste Staubteilchen, an die sich die Wassertröpfchen anlagern. Industrieanlagen stoßen solche Staubteilchen aus.

„Mit der Höhenlage der Stadtteile hat dieser Niederschlag nichts zu tun“, sagt Habel. „Es macht auch keinen Unterschied, ob die Gebiete besonders nah an den Industrieanlagen sind oder nicht.“ Der Dampf steigt auf, verbreitet sich und sinkt dann irgendwann wieder runter.

Die Wassertröpfchen und Staubteilchen kleben und frieren zusammen. Der Fallweg zum Boden beträgt 100 bis 200 Meter und ist so kurz, dass sich die Tröpfchen nicht mehr verflüssigen und daher als Schnee niedergehen. Die Zeit ist dabei viel zu kurz, um die normalen sechseckigen Schneekristalle auszubilden. Meist sinken diese als kleine Eisnadeln auf die Erde.

„Industrieschnee ist vergleichbar mit einem Gewitter im Sommer“, erklärt Habel. Da regne es auch in einem Stadtteil und zwei Straßenzüge weiter sei alles trocken.

„Wir waren in den vergangenen Tagen im Volleinsatz“, sagt Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger. „In Wehlheiden, dem Vorderem Westen, Helleböhn und Rothenditmold hatten wir besonders viel zu tun.“ Am Dienstagabend sei auch im Bereich Marbachshöhe, in Teilen von Bad Wilhelmshöhe und rund um die Leuschnerstraße viel gefallen. Sonntag gab es beispielsweise nur in Oberzwehren und Nordshausen Schneefälle. Einen Unterschied zwischen Industrieschnee und normalem Schnee gibt es laut Wetter-Experte Matthias Habel nicht. Es sei lediglich ein sehr kompakter pappiger Schnee, weil die Eiskristalle kleiner seien. Eine Gefahr für die Gesundheit bestehe daher auch nicht. „Lange wird sich das Schauspiel aber nicht mehr halten“, weiß Habel. Zum Wochenende soll es wärmer werden und dann wird der Schnee wegtauen. Ob es zu Weihnachten wieder weiß werden wird, kann man noch nicht sagen. Relativ sichere Prognosen sind erst in der Woche vor dem Fest möglich.

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