Denise Bellstedt kümmerte sich um schwer krankes Fundtier – Polizei fühlte sich nicht zuständig

Polizei fühlte sich nicht zuständig: Keine Hilfe für blutenden Hund

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Hier kauerte der Fundhund in der Ecke: Denise Bellstedt mit ihrem eigenen Jack-Russel-Terrier Oscar.

Kassel.  Ziemlich verzweifelt war Denise Bellstedt, als sie vergangene Woche morgens um 5.20 Uhr einen verletzten Hund fand. Die junge Frau rief den Polizeinotruf und beschrieb die Situation.

„Der abgemagerte weiße Schäferhund zog seine Hinterbeine hinter sich her und blutete aus Maul und Nase“, schildert die 30-Jährige.

Etwa 20 Minuten später trafen zwei Streifenpolizisten am Fundort an der Yorckstraße ein. Laut Bellstedt fuhren sie lediglich um das Tier herum, nahmen ihre Personalien auf und entfernten sich wieder. „Die Polizisten haben gesagt, dass der Hund nicht gefährlich aussieht, keine gebrochenen Knochen hat und deshalb nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt.“ Falls sie sich verantwortlich fühle, könne sie den Hund ja in die Tierklinik bringen. Laut Polizeipressesprecherin Sabine Knöll handelte es sich hierbei um einen bedauerlichen Vorfall: „Die Polizisten sind davon ausgegangen, dass der Hund sich nur auf die Zunge gebissen hat und eines der vielen frei laufenden Tiere der ansässigen Firmen sei.“

Warum die Polizisten nicht gehandelt haben, ist Rita Niemczyk vom Ordnungsamt schleierhaft: „In der Regel funktioniert die Zusammenarbeit, man kann sich bei einem Lebewesen nicht hinter Zuständigkeiten verstecken“, sagt sie auf HNA-Anfrage. Das Ordnungsamt sei von 5.30 bis 24 Uhr zuständig, ansonsten die Polizei.

Bellstedt versuchte schließlich, das städtische Tierheim anzurufen. „Da ging nur der Anrufbeantworter dran. Laut Bandansage sollte ich mich an die Polizei wenden“, erinnert sich die Produktionshelferin. Mit einer Freundin habe sie dann versucht, das Tier in ihr Auto zu hieven. „Wir haben über eine Stunde gebraucht, um den Hund mit einer selbst gebauten Treppe in mein Auto zu laden.“ Das Tier hochzuheben, habe sie sich nicht getraut: „Ich hatte Angst, gebissen zu werden.“ Glücklicherweise hatte sich die Tierklinik Döring in Bettenhausen bereit erklärt, den verletzten Hund zu behandeln: „Dazu sind wir vom Gesetztgeber nicht verpflichtet, aus ethischen Gründen lehnen wir Fundtiere aber nicht ab“, sagt Dr. Wolfgang Döring auf Anfrage. In den meisten Fällen bliebe die Tierklinik jedoch auf den Behandlungskosten sitzen.

Tier wurde eingeschläfert

Der Tierarzt übergab das schwer kranke Tier anschließend an die Wau-Mau-Insel. „Der Hund hatte mehrere Krebstumore und litt unter Wurmbefall“, sagt Tierheimleiter Karsten Plücker. Am Wochenende sei das Tier aufgrund der schweren Erkrankung eingeschläfert worden.

„Die Polizei hat einen Notschlüssel für unseren Hundezwinger, um nachts aufgefundene Tiere unterzubringen.“ Dies gelte allerdings nur für gesunde Tiere, sagt Plücker.

Die Stadt zahle zwar eine Pauschale für die Versorgung von Fundtieren. Der Betrag decke jedoch nur die Kosten für die Unterbringung und die medizinische Notversorgung ab. Operationen müssten durch Spenden finanziert werden.

Von Alia Shuhaiber

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