Sturz nach Trinkgelage

Keine Hilfe: Lebensgefährlich verletzt im Hausflur liegen gelassen

Symbolbild Rettungswagen

Kassel. Ein lebensgefährlich verletzter Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Mombachstraße lag vermutlich einen Tag lang hilflos im Hausflur.

Erst am Donnerstagabend rief eine Frau, die für einen Besuch in dem Haus war, den Rettungsdienst, als sie den nicht ansprechbaren Schwerverletzten im Treppenhaus fand.

Der 62-Jährige, der eine schwere Kopfverletzung hat, wird jetzt im Krankenhaus behandelt. Er schwebt nach Angaben der Polizei in akuter Lebensgefahr. Weil mehrere Nachbarn den stark alkoholisierten Verletzten liegen gelassen hatten, wird laut Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch wegen Verdachts auf unterlassene Hilfeleistung ermittelt.

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler hatte der Mann in der Nacht nach dem 1. Mai mit einem 39-jährigen Nachbarn in dessen Apartment erhebliche Mengen Alkohol getrunken. Wie der 39-Jährige gegenüber der Polizei angab, sei der 62-Jährige in der Nacht plötzlich umgekippt und habe sich dabei am Kopf verletzt. Er habe seinen Nachbarn dann auf einen Stuhl gesetzt. Als der 62-Jährige später schnarchend im Wohnungsflur lag, habe er ihn vor die Tür bugsiert. Einen Arzt oder den Rettungsdienst hatte der 39-Jährige nicht geholt.

Daraufhin muss der schwerverletzte 62-Jährige bis zum Abend ohne medizinische Versorgung im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses gelegen haben. Wie die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, hatte ein anderer Hausbewohner den 62-Jährigen im dunklen Flur liegen sehen. Er gab an, er habe nur den starken Alkoholgeruch des Mannes wahrgenommen, die Verletzungen wegen der schwachen Flurbeleuchtung aber nicht bemerkt. Daher sei er weitergangen.

Unmittelbar nachdem der Verletzte am Donnerstagabend gefunden wurde, begann die Polizei mit der Spurensicherung im Apartment des 39-Jährigen, in dem die beiden Männer zusammen getrunken hatten und sich der angebliche Sturz ereignete. Der 39-Jährige, der am Donnerstagabend ebenfalls erheblich alkoholisiert war, wurde aufgrund des völlig ungeklärten Geschehen zunächst in Polizeigewahrsam eingeliefert. Dort wurde ihm auch eine Blutprobe entnommen. Am Freitagnachmittag kam er wieder auf freien Fuß. Die vorläufigen Ergebnisse der Tatortuntersuchung hätten keine Hinweise darauf ergeben, dass der 39-Jährige dem Nachbarn die Verletzung zugefügt haben könnte. „Im Moment spricht nichts gegen die Sturztheorie“, sagt Polizeisprecher Jungnitsch.

Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern an. (rud)

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