Stadt und Land in Gesprächen

Keine Hinweise an Autobahnen: Welterbe wird verschwiegen

+

Kassel. Kassel. Wer auf der Autobahn 7 vom Sandershäuser Berg bei Niestetal hinunter ins Kasseler Becken fährt, der wird durchaus auf die bedeutendste Sehenswürdigkeit der nordhessischen Großstadt aufmerksam gemacht: den Herkules. Auf einem Hinweisschild sind das Monument und die Kaskaden zu sehen.

Und ein weißer Pfeil nach rechts. Dieser soll den Vorbeifahrenden verdeutlichen, wohin sie blicken müssen, um einen Blick von der Anlage zu erhaschen. Welche Bedeutung die Sehenswürdigkeit hat, davon erfahren die Reisenden allerdings nichts. Auf dem Schild bei Niestetal, aber auch auf jenem an der A 44 bei Schauenburg, fehlen Hinweise darauf, dass der Bergpark seit diesem Sommer auf der Welterbe-Liste der Unesco steht.

Alle Neuigkeiten zum Weltkulturerbe finden Sie auch in unserem HNA.de-Spezial.

„Es liegt kein Antrag auf neue Schilder vor“, sagte Horst Sinemus, Sprecher von Hessen Mobil, auf HNA-Anfrage. Indem die sichtbar in die Jahre gekommenen Schilder das Welterbe-Prädikat verschweigen, verzichten Stadt Kassel und Land Hessen auf die wohl preiswerteste Form der touristischen Werbung. Nach Angaben von Hessen Mobil passieren täglich rund 35.000 Fahrzeuge das Schild am Sandershäuser Berg, auf der A 44 sind es 23.300 Fahrzeuge täglich. Laut Sinemus kostet ein neues Hinweisschild 5000 bis 6000 Euro.

Stadt Kassel und Museumslandschaft Hessen Kassel seien sich grundsätzlich einig, „die Wegweisung zum Welterbe maßvoll zu erweitern“, sagte Magistratssprecherin Petra Bohnenkamp. Man stehe in engem Kontakt, um eine Beschilderung innerhalb und außerhalb der Stadt voranzutreiben.

Was neue Schilder an den Autobahnen angeht, muss laut Bohnenkamp allerdings noch geklärt werden, wer diese in Auftrag gibt. Bis zur Umsetzung der neuen Beschilderung seien noch „eine Reihe von Festlegungen und Abstimmungen erforderlich“.

Schilder stammen aus Frankreich

Bei den touristischen Hinweisschildern handelt es sich um offizielle Verkehrszeichen. Sie sollen Reisende auf touristische Ziele aufmerksam machen. Dazu zählen Baudenkmäler, Landschaften, Gewässer und Kulturstätten. International werden dafür braune Schilder mit weißer Schrift und weißen Piktogrammen verwendet. Ihren Ursprung haben die Hinweisschilder in Frankreich, wo sie in den 1970er-Jahren aufkamen.

In unserer Region gibt es beispielsweise Hinweise auf die Fachwerkstadt Hann. Münden, das Grenzmuseum Point Alpha in der Rhön, den Bad Hersfelder Computer-Pionier Konrad Zuse und die Universitätsstadt Göttingen.

Von Peter Ketteritzsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.