Gericht: Keine Intrige nachweisbar

Kassel. Bis zuletzt blieb der 45-Jährige dabei: er sei Opfer einer Intrige und deshalb unschuldig. Die 1. Strafkammer des Landgerichts konnte jedoch auch nach vier Verhandlungstagen keine Intrige nachweisen, stattdessen ergab die Beweisaufnahme, dass der 45-Jährige diverse Beleidigungen, Bedrohungen und Diebstähle begangen hat.

Über die zahlreichen Taten musste in zwei Komplexen verhandelt werden, dazwischen lag ein Urteil des Amtsgerichts, das den Angeklagten im Jahre 2008 zu einem Jahr und acht Monaten verurteilt hatte. Dagegen war er in Berufung gegangen, daraufhin war das Urteil der ersten Instanz aufgehoben worden, so dass dieser Prozess neu aufgerollt werden musste. In der Zwischenzeit hatte es weitere Tatvorwürfe gegeben, die nun separat behandelt werden mussten.

Meist waren es Kleinigkeiten, die den 45-Jährigen dazu animierten, seine Mitmenschen zu belästigen. So beschimpfte er die Verkäuferin in einem Telefonladen übel, weil das Handy, das er dort gekauft hatte, angeblich beschädigt gewesen sein soll. Es blieb nicht bei einer Begegnung, er fing die Verkäuferin auch nach Feierabend vor dem Laden ab und bezichtigte sie gar, ihm seinen Regenschirm gestohlen zu haben.

Als der 45-Jährige eine Haftstrafe abgesessen hatte und aus dem Knast entlassen wurde, überschüttete er einen Beamten in der JVA nicht nur mit Beleidigungen, er drohte auch, ihn „platt“ zu machen. Mitarbeiterinnen der Kasseler Arbeitsagentur fand er „beschränkt“, und auch die Beschäftigten einer Anwaltskanzlei, die den 45-Jährigen vor Gericht vertrat, mussten Beschimpfungen und Drohungen über sich ergehen lassen. Einige Fälle aus der langen Liste der Vorwürfe wurden vor dem Landgericht zwar wegen Geringfügigkeit eingestellt, doch am Ende blieben immer noch 26 Taten übrig, außer Beleidigungen und Beschimpfungen waren es diverse Diebstähle. Hier ließ er ein paar CDs mitgehen, dort ein paar Batterien oder ein paar Schuhe.

Ein Gutachter hatte dem 45-Jährigen eine Persönlichkeitsstörung attestiert, er leidet demnach an einer paranoiden Störung. Der Prozess musste mehrfach unterbrochen werden, weil der Angeklagte unvermittelt dazwischen rief oder zur Tür lief, da er meinte, unbedingt eine Zigarette rauchen zu müssen. Selbst während der Urteilsbegründung konnte er sich nicht zügeln. „Das geht mir“, rief er da in den Saal, „alles am Arsch vorbei!“

Er leide zwar an einer psychischen Krankheit, doch die sei nicht so stark, dass er schuldunfähig sei, hieß es in der Urteilsbegründung. In diesem Prozess ging es auch um die Frage, ob der 45-Jährige in der Psychiatrie untergebracht werden muss. Die psychiatrischen Vorausetzungen dafür lagen aus der Sicht des Gerichts zwar vor, juristisch fehlten sie jedoch. Denn die Straftaten, die in Zukunft mit Blick auf die seelische Erkrankung zu erwarten sind, lägen unter der Schwelle der Erheblichkeit. Deshalb lehnte das Gericht die Unterbringung ab.

Für den ersten Komplex an Taten kassierte der Angeklagte zehn Monate, für den zweiten zwei Jahre - beides ohne Bewährung. (pas)

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