Lage in den Kasseler Krankenhäusern

Corona in Kassel: Momentan gibt es keine Kinder auf Intensivstation

Krankenpflegerin auf Intensivstation
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Wenn die Zahlen der schwerkranken Corona-Patienten weiter deutlich steigen, müssen unter Umständen Krankenpfleger aus anderen Bereichen auf den Intensivstationen helfen.

Vor dem Hintergrund steigender Corona-Zahlen wird viel vor Engpässen auf den Intensivstationen gewarnt. Anders als in Südhessen, gibt es in Stadt und Kreis Kassel derzeit keine Kapazitätsprobleme.

Wie ist die Situation?
In Stadt und Kreis Kassel lagen laut Angaben des Gesundheitsamtes gestern 63 mit dem Coronavirus Infizierte im Krankenhaus, 18 davon wurden intensivmedizinisch behandelt. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin veröffentlicht zudem, wie viel Prozent der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt sind. In der Stadt waren das gestern 6,6 Prozent, im Kreis 7,1 Prozent. Die Zahlen sind also im Vergleich zu vergangener Woche nicht gestiegen. „Momentan ist die Lage relativ entspannt“, sagt Dr. Uwe Behrmann, Ärztlicher Direktor am Elisabeth-Krankenhaus. Das bestätigen auch das Klinikum Kassel und die Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel. Natürlich führe eine Erhöhung der Zahlen auf Normalstation, die es derzeit gebe, wenn erst zeitversetzt, zu einer Zunahme der Intensivpatienten, so Behrmann. „Allerdings sind die Patienten momentan generell jünger als im Frühjahr. Darum sind die Verläufe in der Regel nicht so schlimm.“
Was passiert, wenn die Zahlen weiter steigen?
„Wir gehen davon aus, dass sich die Situation in den kommenden vier Wochen ändern wird und die Zahlen der Covid  19-Patienten in den Kliniken steigen werden“, sagt Dr. Andreas Bastian, Chefarzt Pneumologie im Marienkrankenhaus. Sollte durch diesen Anstieg von schwer erkrankten Patienten die Intensiv-Kapazitätsgrenze erreicht werden, können die Krankenhäuser geplante Operationen zurücknehmen und die Betten Covid-Intensiv-Patienten zur Verfügung zu stellen.
Für mehr Betten brauchen die Kliniken auch mehr Personal. Ist das in Kassel ein Problem?
„Personell ist das Aufstocken von Intensivbetten für Corona-Patienten sicherlich eine Herausforderung“, sagt Uwe Behrmann. „Intensivpflegekräfte wachsen ja nicht auf Bäumen.“ Eine Möglichkeit ist, das normale Krankenhausgeschäft zu reduzieren und dann fachfremde Pfleger auf der Intensivstation einzubinden. Dafür werden diese eingearbeitet. Solch eine Umwidmung geht also nur auf Kosten anderer medizinischer Behandlungen. „Schwierig wird es zudem dann, wenn der Kontakt mit infizierten Patienten oder mit Personen aus dem privaten Umfeld eine Quarantäne nach sich zieht, wenn das Personal – wie in jedem Herbst – selbst erkrankt oder durch geschlossene Schulen und Kitas ein Betreuungsbedarf besteht“, erklärt Klinikum-Pressesprecherin Nina McDonagh.
Was ist mit der Koch-Klinik?
Die DRK-Kliniken Nordhessen hatten ihren leer stehenden Standort in Bettenhausen, die ehemalige Koch-Klinik, im Frühjahr für Corona-Patienten mit Betten ausgestattet, um sie reaktivieren zu können. Der Standort wurde bei der Behandlung von Corona-Patienten dann aber nicht berücksichtigt, sodass das DRK die Betten wieder abbaute. Dies erneut zu ändern, ist nicht geplant.
Werden derzeit an Corona erkrankte Kinder im Krankenhaus behandelt?
Nein. Müssen Kinder wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus behandelt werden, kommen sie in Kassel ins Klinikum. Aktuell sind dort allerdings keine Kinder stationär aufgenommen. Sollte dies nötig werden, gibt es auf der Kinderstation separate Bereiche für diese Kinder und ihre Eltern. Auf der Normalstation gibt es laut Klinikum acht Betten für Covid-Infizierte, auf der Kinderintensivstation zwei Betten.
Patienten aus Südhessen werden derzeit verteilt. Wurden sie auch nach Nordhessen verlegt?
Hessen ist in sechs Versorgungsgebiete unterteilt. Da die Krankenhäuser im Versorgungsgebiet Frankfurt-Offenbach stark ausgelastet sind, werden laut Hessischem Sozialministerium nun Patienten aus dem Gebiet gleichmäßig über Hessen verteilt. Bislang wurden laut Ministerium 16 Patienten in andere Versorgungsgebiete verlegt, davon fünf in das Versorgungsgebiet 1 (Kassel).

Behandlung hat sich seit dem Frühjahr nicht verändert

Laut Klinikum Kassel hat sich bei der Behandlung intensivpflichtiger Covid-Patienten im Hinblick auf die künstliche Beatmung seit Frühjahr nichts geändert. „Wir behandeln die Patienten immer zuerst mit einer High-Flow-Sauerstofftherapie oder einer nicht-invasiven Beatmung“, erklärt Pressesprecherin Nina McDonagh. Bei einer nicht-invasiven Beatmung erfolgt diese über eine Maske. Erst wenn diese Therapiemaßnahmen nicht mehr ausreichen, werden die Patienten künstlich beatmet, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Körpers sicherzustellen.

Zu Beginn der Pandemie hatte man vermutet, dass die nicht-invasiven Verfahren wegen der Verteilung der Aerosole in der Umgebungsluft des Patienten zu einer erhöhten Gefahr für das Personal führen. „Durch das Tragen der Schutzausrüstung mit Schutzkitteln, speziellen Atemmasken und Schutzvisieren konnte diese Gefahr weitestgehend minimiert werden“, so McDonagh.

Von Marie Klement

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