Gewerbe auf Langem Feld: Laut Gutachter weniger Schadstoffe als angenommen

Keine Logistik und Chemie

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Carl Flore Archi

Kassel. Eine Gewerbeansiedlung auf dem Langen Feld in Niederzwehren werde „nicht zu einer erheblichen Zusatzbelastung“ führen. Dieses Ergebnis trug der Diplom-Geograf Armin Burst am Dienstagabend bei der gemeinsamen Ortsbeiratssitzung der Stadtteile Nieder- und Oberzwehren vor.

Burst vom Mannheimer Büro Ökoplana hatte bereits Ende 2007 im Auftrag der Stadt Kassel ein Klima- und Luftschadstoffgutachten für das Areal erstellt. Damals war er zu dem Ergebnis gekommen, dass Gewerbe in begrenztem Umfang auf dem Langen Feld möglich sei und die Auswirkungen auf das städtische Klima nur gering seien.

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Dieses Gutachten hat er nun überarbeitet. Basis dafür seien der aktuelle Bebauungsplan, das Verkehrsgutachten und Schadstoffmessungen, die ein Jahr lang an drei Stationen an der Frankfurter Straße vorgenommen wurden. Demnach werde die Zusatzbelastung von Stickstoffdioxid und Feinstaub geringer ausfallen als 2007 prophezeit, sagte Burst. Gründe dafür seien, dass im Jahr 2020 weniger Fahrzeuge auf der Frankfurter Straße unterwegs seien als angenommen und dass es sich zudem um schadstoffärmere Autos handele.

Einige der etwa 40 Anwohner, die die Sitzung besuchten, äußerten Zweifel an diesen Angaben. So kritisierte Waltraud Pinkvohs, dass die Messungen an Stellen erfolgt seien, „wo der Wind wunderbar hinkommt“.

„Mit Blick auf die geringe Anzahl von Arbeitsplätzen in der Logistikbranche wäre das eine Verramschung dieses wertvollen Standortes.“

Carl Flore

Die Anwohnerin wollte auch wissen, „wie es mit übler Chemie“ auf dem geplanten Gewerbegebiet aussieht. Nach Angaben von Carl Flore vom Planungsamt der Stadt wird es laut Bebauungsplan nicht möglich sein, dass sich Unternehmen ansiedeln, die durch die Störfallverordnung ausgeschlossen sind. Ebenso würden keine Logistikunternehmen zugelassen, versicherte er. „Mit Blick auf die geringe Anzahl von Arbeitsplätzen in der Logistikbranche wäre das eine Verramschung dieses wertvollen Standortes.“

Was für Unternehmen sich ansiedeln dürfen, darüber gab Arno Flörke (Ingenieurbüro für Akustik und Umwelttechnik) Auskunft. Flörke, der das Lärmschutzgutachten erstellt hat, erklärte, dass man nach dem Abstandsflächenerlass des Landes Nordrhein-Westfalen vorgehen werde. Darin sei genau geregelt, welche Art von Unternehmen sich in welchem Abstand von Wohngebieten ansiedeln dürfen. Für Menschen und Umwelt besonders unangenehme Unternehmen, die in dem Erlass in den Gruppen I bis III zusammengefasst worden sind (zum Beispiel Mineralölkonzerne, und Stahlerzeuger), seien für das Lange Feld komplett ausgeschlossen.

Unterschiedliche Zonen

Das Areal werde in unterschiedliche Zonen eingeteilt, sagte Flörke in seinem differenzierten Vortrag. So würden im östlichen Planungsgebiet, das durch seine Nähe zur Noll-Klinik besonders empfindlich sei, nur Betriebe zugelassen, die laut Erlass in die Gruppe VII fallen. Das sind Betriebe (zum Beispiel Schreinereien und Großwäschereien), die in 100 Meter Entfernung von Wohngebieten eröffnen dürfen. Bei aller Differenzierung habe man sich dazu entschlossen, im Süden des Areals ein reines Industriegebiet auszuweisen, sagt Flore. Das mache etwa 15 Prozent der Gesamtfläche aus.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Link zum Abstandserlass des Landes NRW

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