Interview: Leiter der Asklepios Medical School lobt Pläne für Kasseler Medizin-Uni

Interview zu Medizin-Uni: „Keine Sorge um Qualifikation“

Kassel. Was in Kassel mit der School of Medicine noch Wirklichkeit werden soll, besteht mit der Asklepios Medical School in ähnlicher Weise seit einigen Jahren in Hamburg. Dort arbeitet der Asklepios-Krankenhauskonzern mit der Semmelweis-Universität in Ungarn zusammen.

Wir sprachen mit dem Geschäftsführer der Asklepios Medical School, Dr. Jörg Weidenhammer, über die Kasseler Pläne.

Sie waren mit Ihrem Angebot ein Pionier in Sachen binationaler Medizinerausbildung. Welche Erfolge haben Sie vorzuweisen?

Dr. Jörg Weidenhammer: Nächsten Juli macht unser erster Jahrgang, der 2006 an der Semmelweis-Universität in Ungarn angefangen hat, seinen Abschluss. Derzeit studieren 170 Studenten an der Asklepios Medical School. Wir wollen aber nicht Medical School bleiben, sondern streben es an, von der Universität den Fakultätsstatus zu erhalten. Bis zum kommenden Jahr soll es so weit sein.

Was unterscheidet Ihre Ausbildung von dem Modell, das in Kassel geplant ist?

Weidenhammer: Bei uns erhalten die Studenten am Ende des Studiums keinen Bachelor-Abschluss, sondern ein Diplom. Dies reichen sie beim Landesprüfungsamt ein und erhalten so die ärztliche Zulassung. Zudem ist unser Studium nicht auf zehn, sondern zwölf Semester angelegt, wobei die letzten beiden Semester ein praktisches Jahr sind.

Was halten Sie von dem Kasseler Modell?

Weidenhammer: Der Studienweg, für den sich die Kasseler entschieden haben, ist kompliziert und steinig. Aber er ist gangbar. Ich kenne Southampton. Es gibt dort eine gute medizinische Fakultät. Ich kenne auch das Klinikum Kassel und habe keine Sorge, was die Qualifikation der dortigen Ärzte angeht. Ich habe große Sympathie für die Kasseler, sie haben hart für ihre Medizin-Uni gearbeitet.

Wie kann die Universität in Ungarn für die Qualität der Lehre in Hamburg garantieren?

Weidenhammer: Die Semmelweis-Universität hat einen Qualitätsbeauftragten ernannt, der in Hamburg arbeitet und unsere Leistungen permanent überprüft. Zudem wird jede Lehrveranstaltung von uns analysiert und bewertet - dabei werden sowohl Studenten wie auch Dozenten befragt. Unsere Dozenten sind gleichzeitig Mitarbeiter unserer Klinik. Sie haben alle einen akademischen Rang - drei Viertel von ihnen sind Professoren.

Warum sind für die Medizinerausbildung neben den staatlichen Hochschulen alternative Universitäten nötig?

Weidenhammer: Es ist eine Ergänzung zum regulären Medizinstudium. Unser Vorteil ist, dass wir nicht allein auf Basis von Noten über die Aufnahme von Studenten entscheiden. Wir hinterfragen vor allem die Motivation der jungen Menschen. Das ist sehr wichtig. Bis zu 1000 der jährlich 8000 Absolventen eines Medizinstudiums in Deutschland überlegen sich anschließend, lieber etwas anderes machen zu wollen. Dabei geht viel Geld verloren. Die Ausbildung eines Arztes kostet den Steuerzahler etwa 250 000 Euro. (bal)

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