Stadt will Waldkappeler Bahntrasse nicht reaktivieren, stattdessen wird neue Strecke nach Waldau favorisiert

Keine Tram auf alten Schienen

Ausgangspunkt der neuen Tramstrecke: Nach den Planungen sollen die Trams vom Platz der Deutschen Einheit entlang der B83 nach Waldau fahren. Foto:  Herzog

Kassel. Auf der Waldkappeler Bahntrasse werden wohl auch künftig keine Trams fahren. Das sagt Gunnar Polzin, Leiter des Straßenverkehrsamtes der Stadt Kassel. Die Strecke sei für den Tramverkehr „verkehrswirtschaftlich nicht vorteilhaft“.

Im Klartext: Die Linienführung sei zu umwegreich, die Reaktivierung zu teuer. Eine Untersuchung, die zu diesem Ergebnis gekommen ist, soll im Frühjahr dieses Jahres vorgestellt werden; natürlich auch den Ortsbeiräten Niederzwehren und Waldau.

Aus diesen Stadtteilen war in den vergangenen Jahren wiederholt der Wunsch geäußert worden, die Waldkappeler Bahntrasse zu reaktivieren. Im Ortsbeirat Niederzwehren war erst im Dezember 2009 wieder ein Antrag zu dem Thema gestellt worden.

Dabei läuft eine Untersuchung bezüglich der Strecke. Auf Antrag der Kasseler Stadtverordnetenfraktion der CDU war bereits im Jahr 2007 ein entsprechender Beschluss gefasst worden. Es sollte geprüft werden, ob die „Waldkappeler Bahntrasse“ vom IC-Bahnhof über Niederzwehren bis Bettenhausen reaktiviert werden kann. Besonders die Wirtschaftlichkeit unter der Berücksichtigung von Fördermitteln sollte von Fachleuten der Kasseler Verkehrsgesellschaft geprüft werden.

Die Waldkappeler Bahntrasse sei kein ein „sinnvoller Weg“, das Messegelände oder den Stadtteil Waldau anzubinden, sagt Polzin. „Nur weil da Schienen liegen, gibt es nicht automatisch eine Nachfrage.“ Kein Waldauer wolle über Niederzwehren und den IC-Bahnhof in die Innenstadt fahren.

Aber nicht nur die Umwege würden gegen die Reaktivierung sprechen, auch die Kosten, sagt Polzin. Bei Nutzung der Trasse werde eine Gebühr an die Deutsche Bahn fällig. Würden die Trams auf der Bahnstrecke fahren, sei zudem ein Systemwechsel von Gleich- auf Wechselstrom erforderlich. Darüber hinaus wäre der Bau der Haltepunkte, die für eine Bahnstrecke vorgeschrieben sind, teurer als die Errichtung normaler Tramhaltestellen.

Statt die Waldkappeler Bahntrasse zu reaktivieren, favorisiert das Straßenverkehrsamt den Plan, eine neue Tramstrecke nach Waldau zu bauen. Die Planungen laufen dafür bei Stadt, KVG und NVV. Es werde untersucht, ob diese Strecke betriebs- und verkehrswirtschaftlich sei, sagt Polzin. Die Ergebnisse der Nutzen-Kosten-Analyse sollen ebenfalls im Frühjahr vorgestellt werden.

Nach den groben Erstplanungen würde die 3,5 Kilometer lange Strecke vom Platz der Deutschen Einheit bis Waldau 31 Millionen Euro kosten, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. Acht Haltestellen sind bislang vorgesehen. Wenn mit dem Bau der Tramtrasse im Jahr 2014 begonnen würde, könnte sie 2016 fertig sein. Archivfoto:  Schachtschneider/nh

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.