Kritische Stickstoffoxid-Werte durch Pkw-Abgase sollen ab 2015 deutlich sinken

Keine Umweltzone für Kassel

Dicke Luft durch Abgase: Die Autos sind sauberer geworden, trotzdem bleibt der Verkehr die größte Belastung für die Luft in Kassel. Archivfoto:  dpa

Kassel. Nach Einschätzung des hessischen Umweltministeriums würde eine Umweltzone nach dem Vorbild anderer Städte für Kassel wenig Entlastung bringen. Eine deutliche Reduzierung der Schadstoffe in der Luft könne man kurzfristig nur erreichen, wenn der Auto- und Schwerlastverkehr in der Stadt um 50 Prozent reduziert werde.

Das Umweltministerium hält das für unrealistisch und setzt auf immer schadstoffärmere Motoren. Zudem sei Kassel zum Beispiel durch den Ausbau der Straßenbahn nach Vellmar, ein kostenloses Pendlerportal sowie Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger auf dem richtigen Weg. Das sind Kernpunkte des Luftreinhalteplans für den Ballungsraum Kassel, der vom Ministerium aktualisiert und im Umweltausschuss vorgestellt wurde.

Unter dem Strich ist demnach die Belastung im Kasseler Becken in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Die Grenzwerte für Feinstaub seien seit dem Jahr 2006 nicht mehr überschritten worden. Für die Hälfte der Belastung ist nach wie vor der Straßenverkehr verantwortlich. Industrie und Gebäudeheizungen sind zu je einem Viertel beteiligt.

Problematisch ist weiterhin die Luftverschmutzung durch Stickoxide. Die entstehen bei der Verbrennung in Motoren, insbesondere bei Dieselfahrzeugen.

Entlastung mit Euro 6

Erst mit der Euronorm 6 sei beim Diesel eine spürbare Entlastung zu erwarten. Da diese Norm jetzt gerade eingeführt werde, rechnet das Ministerium ab 2015 mit positiven Auswirkungen. Spätestens ab 2020 sollten nach Angaben von Christian Reuter die Werte bei der Belastung mit Stickoxiden deutlich nach unten gegangen sein.

Durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und des Radwegenetzes könnten 167 Millionen Pkw-Kilometer pro Jahr im Stadtgebiet eingespart werden, so die Hochrechnung. Weitere Stichworte für bessere Luft in Kassel sind die energetische Sanierung von Gebäuden (Wärmedämmung), die zunehmende Nutzung regenerativer Energien und der weitere Ausbau des Fernwärmenetzes.

Skeptisch äußerte sich der Vertreter des Ministeriums zu Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen. Bei Lkw könne das sogar zu mehr Immissionen führen.

Die Grünen wollen das Thema dennoch weiter im Auge behalten. „Uns geht es dabei in erster Linie um den Lärmschutz“, sagt Eva Koch für ihre Fraktion. In anderen Städten würden dazu schon Erfahrungen gesammelt. Deshalb werde man Testläufe wie in Darmstadt beobachten.

Den kompletten Luftreinhalteplan für den Ballungsraum Kassel kann man unter www.hlug.de nachlesen.

Von Thomas Siemon

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