Keller der Vorkriegszeit

Bauarbeiten in Friedrich-Ebert-Straße: Erinnerungen an Hohenzollernstraße

Wo liegt welcher Keller? Bauchef Gunther Gaedtke (rechts) sieht sich mit Thomas Schaake die Pläne an.

Kassel. Zahlreiche Prachtbauten prägten die Hohenzollernstraße bis zu ihrer Zerstörung im Oktober 1943. Die stattlichen Häuser, die in Schutt und Asche lagen, wurden nach dem Krieg abgerissen und die Straße - dem Zeitgeist entsprechend - umbenannt.

Dass die Friedrich-Ebert-Straße vor dem Krieg enger war, wird derzeit bei Arbeiten der Städtischen Werke deutlich, die neue Leitungen verlegen. Zwischen Anna- und Jordanstraße kommen derzeit im ersten Bauabschnitt 380 Meter Gashauptleitung, 170 Meter Wasserhauptleitung, 300 Meter 1000-Volt-Kabel, 170 Meter Fernmeldetechnik sowie 250 Meter Glasfaserkabel unter die Erde. Bis Ende 2015 soll die Friedrich-Ebert-Straße im Abschnitt zwischen Ständeplatz und Goethestraße zu einem attraktiven Boulevard werden.

Die Arbeiter entdecken dabei Tag für Tag alte Keller, die nach dem Krieg einfach mit Schutt verfüllt wurden. Zudem stoßen sie auch auf unterirdische Hohlräume. Nicht der lange Winter, sondern die Keller aus einer vergangenen Zeit hätten für Verzögerungen bei den Bauarbeiten geführt, sagt Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke.

Sind auf alte Kellermauern gestoßen: Thomas Schaake (links) und Thomas Knuwe in den Gräben der Friedrich-Ebert-Straße, in denen neue Versorgungsleitungen verlegt werden. Fotos:  Koch

„Da kann man nicht einfach mit dem Bagger reingehen und die Erde ausheben“, sagt Ingenieur Gunther Gaedtke, der bei den Städtischen Werken für alle Versorgungsleitungen verantwortlich ist. Die alten Grundmauern liegen etwa einen halben Meter unter der heutigen Friedrich-Ebert-Straße – auf der nördlichen Seite, dort wo derzeit die neuen Leitungen verlegt worden sind. Der gebrannte Ziegel, mit dem damals gebaut wurde, muss abgetragen und recycelt werden. „Wir freuen uns, wenn wir Sandstein finden“, sagt Gaedtke. Der lasse sich hervorragend brechen und weiter verwenden.

Der Bauchef weiß, dass sich die Arbeiten im kommenden Jahr, wenn die südliche Straßenseite neue Leitungen bekommt, noch schwieriger gestalten werden. Dort liegen die Außenwände der zerstörten Häuser etwa zwei Meter unter der Friedrich-Ebert-Straße. Das geht aus alten Stadtplänen hervor. Die alten Versorgungsleitungen, die nach dem Krieg verlegt wurden, hätten sehr gelitten und daher mittelfristig ohnehin erneuert werden müssen, sagt Gaedtke. Das liege daran, dass sie vor 60 bis 70 Jahren beim Wiederaufbau einfach mit Schutt zugeschüttet worden seien.

Für die Techniker bedeuteten die Arbeiten aber auch eine spannende Herausforderung: Unterirdisch werde man mit einem Stück Stadtgeschichte konfrontiert. Unter der Holländischen Straße gibt es ähnliche Keller und Hohlräume.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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