Nummernschilder sollen für mehr Sicherheit sorgen

Kennzeichenpflicht für Fahrräder: Seniorenbeirätin will Schilder für alle

Radfahrer in Berlin auf einem Gehweg neben einem Kampfradler-Plakat
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Immer Ärger mit den Radfahrern: In Berlin, wo manche Radfahrer ebenfalls gern auf dem Bürgersteig unterwegs sind, wurde schon vor Jahren mit Plakaten gegen Kampfradler protestiert und für mehr Rücksicht geworben.

Gerade ältere Menschen nehmen Radfahrer als Gefahr war. Die Kasseler Seniorenbeirätin schlägt nun eine Kennzeichenpflicht vor. Kann man Kampfradler so zur Vernunft bringen?

Kassel – Die Vorsitzende des Kasseler Seniorenbeirats fordert eine Kennzeichnungspflicht für Radfahrer. Laut Helga Engelke sei dies für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer notwendig, nachdem die Zahl der Radler auch in Kassel gestiegen ist.

„Vom Mofa bis zum Traktor sind alle Fahrzeuge kennzeichnungspflichtig, das sollte auch für Radler gelten“, sagte die 80-Jährige, die auch Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesseniorenvertretungen ist. Demnächst will sie ihr Anliegen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vortragen, bei dem sie um einen Termin gebeten hat.

Eine Kennzeichnungspflicht für Fahrräder haben in der Vergangenheit immer wieder Unionspolitiker ins Spiel gebracht. Laut Auskunft des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) wäre sie weltweit einmalig. Die Schweiz hat ihre Velovignette bereits 2001 abgeschafft, weil der Verwaltungsaufwand größer gewesen sei als der Nutzen.

Engelke hat beobachtet, dass viele Radfahrer zu schnell unterwegs seien, rote Ampeln ignorieren und auf Bürgersteigen zwischen Fußgängern Slalom fahren würden. Dies sei vor allem eine Gefahr für Senioren. Die 82-Jährige, die im Oktober 2018 von einem Radkurier auf der Fünffensterstraße umgefahren worden war und später starb, war eine Bekannte von ihr. Der junge Mann, der eine rote Ampel überfahren hatte, wurde später verurteilt. Engelke wundert sich auch über die vielen Lastenräder und „übervolle und oft auch instabil wirkende Anhänger. Das schafft Gefahren für alle.“ Mit Kennzeichen ließe sich der Halter schnell ausmachen.

Für Thomas Hofmann von der Initiative Radentscheid wäre eine Kennzeichnungspflicht keine Lösung. Vielmehr brauche es eine bessere Radinfrastruktur: „Wenn es gute Radwege gibt, radeln die Menschen auch nicht auf dem Gehweg.“ Der Vorschlag würde zudem die Verkehrswende ausbremsen, da das Fahrrad unattraktiver würde.

Engelke wird sich übrigens nicht mehr aufs Rad setzen. „Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie Fahrrad gefahren“, sagt die leidenschaftliche Fußgängerin. (Matthias Lohr und Sabine Oschmann)

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