Trio kassierte Strafen bis zu fünf Jahren

Kiloweise Drogen eingeführt: Geschäft unter den Augen der Polizei

Kassel. Einer der wenigen Punkte, die Richter Volker Mütze den drei Angeklagten zugutehalten konnte, war die Tatsache, dass sie ihr Drogengeschäft unter den Augen der Polizei abgewickelt hatten.

Durch die Telefonüberwachung sei zumindest verhindert worden, dass der Stoff in Umlauf kam. Sonst gab es nicht allzu viel, was aus Mützes Sicht für die drei Angeklagten im Alter zwischen 20 und 50 Jahren sprach. Deshalb kassierten sie am Donnerstag vor der 6. Kammer des Landgerichts Strafen zwischen 28 Monaten und fünf Jahren.

Schon im August vergangenen Jahres hatte der Prozess begonnen. Ein Grund für die lange Dauer war, dass auch Zeugen aus Italien geladen werden mussten, die – so musste Richter Mütze eingestehen – kaum etwas zur Aufklärung des Sachverhalts beitragen konnten. Am Ende stand für das Gericht fest, dass zwei der Angeklagten – der 20-Jährige und der 36-Jährige – rund 14 Kilo Marihuana und 18 Gramm Kokain aus Italien nach Deutschland geschmuggelt haben, um es hier zu verkaufen. Der 50-jährige Vater des 20-Jährigen hat nach der Überzeugung des Gerichts eine Zeit lang in dessen Kasseler Wohnung auf die Drogen aufgepasst, deshalb kam auch er nicht ungeschoren davon.

Sein Sohn hatte behauptet, die Sache allein durchgezogen zu haben. Doch die Ermittler hatten seine Telefongespräche mit dem 36-Jährigen abgehört. Nach der Auswertung der Telefonüberwachung gab es für das Gericht „keine Zweifel“, dass der 36-Jährige, der seinen Tatbeitrag bestritten hatte, sogar „federführend“ an der Beschaffung der Drogen beteiligt war. Die beiden hatten in einem Telefonat das Geschäft als Autokauf getarnt, sich dann aber dadurch verraten, dass sie 40 bis 50 Fahrzeuge in einer Garage unterstellen wollten.

Der 20-Jährige bekam eine Jugendstrafe von vier Jahren, Richter Mütze stellte bei ihm „erhebliche Entwicklungsdefizite“ fest, gleichwohl müsse man berücksichtigen, dass er ab einem Alter von 15 oder 16 Jahren seinen Lebensunterhalt mit Drogengeschäften verdient hatte. Er hatte angegeben, die Taten unter erheblichem Drogeneinfluss begangen zu haben, was das Gericht veranlasste, ihn von einem Sachverständigen begutachten zu lassen. Es zeigte sich, dass an seiner Schuldfähigkeit keine Abstriche gemacht werden mussten.

Der 20-Jährige und sein mitangeklagter Vater hatten behauptet, dass der Vater lediglich auf Besuch in Kassel und damit zufällig in der Wohnung gewesen war, in der ein Sondereinsatzkommando im Januar 2013 die Drogen fand. Die Gerichtsverhandlung ergab etwas anderes. Der Vater musste sich wegen des Besitzes und wegen Beihilfe zum Drogenhandel verantworten, kam allerdings mit der geringsten Strafe von 28 Monaten davon. Der nicht vorbestrafte 36-Jährige, der das Unschuldslamm gespielt hatte, verließ den Gerichtssaal mit der höchsten Strafe von fünf Jahren. (pas)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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