Bahn sieht sich nicht in der Pflicht

Kind machte in die Hose: WC im Bahnhof Wilhelmshöhe ab 23 Uhr dicht

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Nicht rund um die Uhr geöffnet: Das WC im Bahnhof Wilhelmshöhe ist von 6 bis 23 Uhr in Betrieb. Danach gibt es keine öffentliche Toilette für Reisende mehr.

Kassel. Wer im Bahnhof Wilhelmshöhe mal muss, der sollte nicht zu spät dran sein: Die öffentliche Toilette im IC-Bahnhof hat ab 23 Uhr geschlossen. Für ein fünfjähriges Mädchen und seine Mutter hatte das unangenehme Folgen: Das Kind machte sich in die Hose.

Alexandra Nitsche aus Uslar (Landkreis Northeim) und ihre fünfjährige Tochter warteten am Sonntagabend auf dem Bahnhof auf den Zug. Die Mutter ist jetzt sauer auf die Deutsche Bahn. „Für die Fahrkarten zahlt man nicht zu knapp, da kann man doch wenigstens eine Toilette im Bahnhof erwarten.“ Doch als sie um kurz nach 23 Uhr zu dem öffentlichen WC kam, war die Tür verschlossen.

Nirgendwo im Bahnhof fand sie noch eine Toilette, als ein Mitarbeiter von McDonald’s schließlich angeboten habe, das Kind könne das Personal-WC benutzen, war das Malheur schon passiert. „Meine Tochter musste dann mit durchnässter Hose bis Göttingen durchhalten“, sagt die Mutter. Sie fragt sich nun, ob sie dem Kind bei abendlichen Zugfahrten künftig wieder Windeln anziehen sollte.

Die Deutsche Bahn verwies auf Anfrage der HNA darauf, dass man nicht verpflichtet sei, öffentliche Toiletten in den Bahnhöfen vorzuhalten. „Wir bieten ja in den Zügen Toiletten für die Reisenden an“, sagte eine Sprecherin zur Begründung. Dennoch versuche man, auf den Bahnhöfen WC-Anlagen vorzuhalten. Diese würden in der Regel von externen Pächtern betrieben.

So auch im Bahnhof Wilhelmshöhe: Dort wird das WC seit zwei Jahren unter der Marke „Rail & Fresh“ von der Firma Hering Bau aus Burbach (Nordrhein-Westfalen) betrieben. Die Toilette hat täglich von 6 bis 23 Uhr geöffnet, zu diesen Zeiten ist auch Reinigungspersonal da. Die Benutzung kostet einen Euro. Die Öffnungszeiten seien Sache des Betreibers, sagte die Bahnsprecherin. Weil nach 23 Uhr nur noch wenige Züge verkehren, sei aber auch auf dem Bahnhof nicht mehr viel los.

Die Firma Hering Bau reagierte gestern am frühen Abend schriftlich auf die Anfrage der HNA. Auf die Frage, warum eine Öffnung rund um die Uhr nicht möglich sei, hieß es: „Unsere langjährige Erfahrung zeigt eindeutig, dass ein WC-Center nachts aus Schutz vor Vandalismus und Obdachlosen nicht offen bleiben kann.“ Zu dem Vorfall am Sonntagabend sagte Hering-Bau-Sprecherin Kerstin Müller, die Toiletten seien zur korrekten Zeit um 23.04 Uhr geschlossen worden: „Selbstverständlich bedauern wir, dass das Kind nicht rechtzeitig eine Toilette aufsuchen konnte, sehen hierfür jedoch keine Ursache in den Öffnungszeiten des WC-Centers.“

Das Unternehmen ist auch Betreiber des öffentlichen WCs im Hauptbahnhof. Dort ist schon ab 21 Uhr Schluss auf dem stillen Örtchen. Auch hier gab es bereits Beschwerden wegen der eingeschränkten Nutzungszeiten.

Der WC-Betreiber stand zudem schon in der Vergangenheit in der Kritik wegen der von vielen als zu teuer empfundenen Benutzungsgebühr von einem Euro.

Von Katja Rudolph

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