Prof. Uwe Groß erklärt, wie Bakterien und andere Mikroben krank machen

350 Kinder besuchen Uni

Kinder-Uni: Prof. Dr. Uwe Groß ging während seines Vortrages durch den Hörsaal, um von den Kindern zu erfahren, was sie bereits über Bakterien, Viren, Pilze und mögliche Gesundheitsgefahren wissen. Foto: Schmidt-Hagemeyer

göttingen. Von ehrwürdiger Ruhe kann im Hörsaal 010 der Georg-August-Universität keine Rede sein. Kinder rennen durch die Reihen, lachen und reden, es ist laut wie im Schwimmbad. Doch mit einem Gongschlag macht Peter Brammer dem Chaos ein Ende. Brammer, der die Göttinger Kinder-Uni im Jahr 2004 mit Studenten des Pädagogischen Seminars entwickelt hat, begrüßt an diesem Nachmittag fast 350 Dritt- bis Sechstklässler.

Die meisten kennen sich aus. Zu den wenigen Neulingen zählt der Dozent am Rednerpult. „Ich bin nervös, weil ich noch nie vor so vielen Kindern gesprochen habe“, gesteht Prof. Dr. Uwe Groß.

Der Mediziner will den Kindern erklären, wie Bakterien und andere Mikroben uns krank machen können und stößt bereits bei seiner ersten Frage auf Vorwissen. Vor dem Essen sollte man die Hände waschen, „weil man von draußen viele Bakterien mitbringt“, erklärt Chantalle.

Wie viele Bakterien Kinder beim Spielen einsammeln, zeigen eindrucksvolle Abbildungen von Petri-Schalen, auf denen Karl (sechs Monate), Frieda (2), Bent (3) und Fynn (5) ihre Bakterien-Handabdrücke hinterlassen haben. Ein Problem: Bakterien vermehren sich unvorstellbar schnell. Aus einer einzigen Bakterie werden in 15 Stunden 140,7 Billionen Bakterien, sagt der Professor.

Dabei sind Bakterien winzig klein: Aus Sicht einer Bakterie sei der Mensch so riesengroß, wie für den Menschen der ganze Erdball, erklärt Groß den Kindern. Auch wenn „die guten Bakterien versuchen, die schlechten wegzuschubsen“, gibt es also Gründe genug zum Händewaschen.

Nach und nach erfahren die Kinder, warum es gefährlich sein kann, wenn ein Hund sein Geschäft in einer Spielpfütze hinterlässt, wie man Halsschmerzen, Mandelentzündung oder Masern bekommt und dass ein Bandwurm zehn Meter lang werden kann. Bei jeder Frage des Dozenten schnellen Finger in die Höhe und dabei machen sich die Kinder keine Sorgen, dass ihre Antwort falsch sein könnte.

Auch beim Thema Husten entpuppt sich die erste Meinung, in die Hand zu husten, als Irrtum. Denn wer Bakterien in seine Hand hustet, kann andere beim Händeschütteln infizieren. Darum solle man in den Ellenbogen husten, rät der Experte. „Das könnt ihr heute Abend auch Vater und Mutter sagen.“

Als Prof. Groß ein Käsebrot und Bier auspackt, regt sich Unruhe und beim ersten Bissen, fordert der Saal lautstark: „Hände waschen.“

Dabei wollte der Mikrobiologe seine Zuhörer nicht testen, sondern darauf aufmerksam machen, dass es auch nützliche Bakterien und Pilze gibt, mit denen man Joghurt, Schimmelkäse und eben Bier produzieren kann.

Nach der lebhaften Stunde sind nicht nur die Kinder zufrieden. „Es hat sehr viel Spaß gemacht, insbesondere so eine überwältigende Resonanz auf meine Fragen zu bekommen“, sagt Prof. Groß, der sich gut vorstellen kann, noch einmal bei der Kinder-Uni mitzumachen.

Von Kornelia Schmidt-Hagemeyer

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