669 Plätze fehlen - Stadt: "Nur eine Zwischenlösung"

Kinder werden in Containern untergebracht: Kassel hat nicht genug Kita-Plätze

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Die mobilen Container werden nahe bestehender Kitas aufgebaut. Die Kinder sollen die sanitären Anlagen dort nutzen. 

Mehrere hundert Kasseler Kindergartenkinder werden demnächst in Containern untergebracht sein. Der Grund: Es gibt für sie nicht ausreichend Plätze in den vorhandenen städtischen und freien Kitas.

„Es ist kein Geheimnis, dass trotz großer Anstrengungen nicht genügend Kita- und Krippenplätze vorhanden sind“, erklärte die Grünen-Stadtverordnete Dr. Martina van den Hövel-Hanemann jüngst vor den Mitgliedern des Schulausschusses.

Wachsende Geburtenraten, Zuzug und eine insgesamt gestiegene Nachfrage nach Betreuungsplätzen in Krippe, Kita und im Ganztag der Schulen verursachten „Handlungsdruck“. Die Stadt wachse schneller als prognostiziert, erklärte Kulturdezernentin Susanne Völker, die mit Sozialdezernentin Ilona Friedrich kommissarisch das Schul- und Jugenddezernat leitet, seitdem sich Anne Janz (Grüne) als Staatssekretärin ins hessische Sozialministerium verabschiedet hat.

Bis zum Jahr 2017 habe es jedes Jahr eine „Punktlandung“ in Sachen Kinderbetreuung gegeben, erklärte Völker. 2018 setzte der Mangel ein: 392 neue Plätze hätten eingerichtet werden müssen, nur 114 seien umgesetzt worden. In diesem Jahr haben sich die fehlenden Plätze bereits auf 669 summiert. Bei den Stadtteilen, die besonders betroffen sind, handelt es sich um Bettenhausen, Kirchditmold, Rothenditmold, Harleshausen und Nord-Holland.

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Die Container, sogenannte mobile Ersatzbauten, werden in unmittelbarer Nähe vorhandener Kitas aufgestellt, so Völker. Dort müssen von den Kindern auch die sanitären Anlagen wie Toiletten besucht werden. Ein Containerbau könnte Platz für zwei Kita-Gruppen à 25 Kinder bieten. Für die Anschaffung eines Containers müsse mit Kosten von rund 56.000 Euro gerechnet werden. Genauere Angaben über Standorte, Gesamtkosten und Zeitplan könnten noch nicht gemacht werden, sagte Stadtsprecher Michael Schwab. Das sei noch in der Absprache mit den Ämtern.

5761 Plätze für über Dreijährige

In der Stadt Kassel stehen in städtischen, kirchlichen und freien Kindergärten sowie Betriebskitas aktuell 5761 Kita-Plätze für über Dreijährige zur Verfügung. Zum Vergleich: Für die unter Dreijährigen gibt es insgesamt 1949 Plätze in Krippen, Betriebskitas und bei Tageseltern. Ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Kinder ab drei Jahren besteht bereits ab 1996, für Kinder von eins bis drei Jahren seit 2013.

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Auch Personal wird knapp: 70 zusätzliche Erzieherinnen benötigt

Die Unterbringung von Kindergartenkindern in Containern sei nur eine Zwischenlösung, sagte Dezernentin Susanne Völker vor den Mitgliedern des städtischen Schulausschusses. Parallel dazu „schreite die Ausbauplanung“ voran – auch in enger Zusammenarbeit mit den freien Trägern. Langfristig seien 30 Vorhaben in Arbeit, davon zehn komplette Kita-Neubauten.

Bis zum Jahr 2020/2010 könne die notwendige Erhöhung der Platzkapazitäten erreicht sein. „Die Herausforderung besteht jetzt in der Überbrückung.“ Während die laufenden Kita-Ausbaupläne im städtischen Haushalt bereits festgeschrieben sind, würde es sich bei den Kosten für die Container um zusätzliche Ausgaben handeln. Bei einer Alternative, der Ertüchtigung von vorhandenen Gebäuden und Leerstand, müsse mit den zehenfachen Kosten gerechnet werden.

Aber nicht nur fehlende Räume für die Betreuung von 669 Kasseler Kindergartenkindern bereiteten den Verantwortlichen Probleme – auch der Fachkräftemangel müsse problematisiert werden, sagte Dr. Martina van den Hövel-Hanemann (Grüne), die Vorsitzende des Schulausschusses, während jüngsten Sitzung. Beispielsweise verzeichne die Fachschule Sozialwesen an der Elisabeth-Knipping-Schule deutlich zurückgehende Bewerberzahlen. Gehe man davon aus, dass pro 25 Kinder zwei Erzieherinnen oder Erzieher gerechnet werden, fehlten in Kassel rein rechnerisch 70 Fachkräfte, so Martina van den Hövel-Hanemann. Zudem gebe es ja auch noch Krippen und Horte, die ebenfalls dringend personell ausgestattet werden müssen. „Und die Fachkräfte stehen nicht gerade vor der Tür“, so van den Hövel-Hanemann.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt. 

Susanne Völker verwies auf die 28 städtischen Erzieherinnen und Erzieher, die sich gerade in einer Ausbildung befinden. Sie könnten damit rechnen, im Anschluss eine Stelle zu bekommen.

Sozialdezernentin Ilona Friedrich, die das Schul- und Jugenddezernat mit Völker kommissarisch leitet, erwähnte außerdem das städtische Projekt „Sozialwirtschaft integriert“, bei dem Migrantinnen für soziale Berufe ausgebildet werden, darunter viele zu Erzieherinnen.

Auch die Kitas im Landkreis Kassel platzen aus allen Nähten.

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