Zweijähriger benötigt spezielle Therapie

Kinderlähmung: Junge aus Kasachstan braucht dringend Hilfe

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Brauchen Unterstützung: Marina Skutina (links) und ihr Sohn Adrian sind derzeit zu Gast bei der Kasselerin Juliana Eckhardt.

Kassel. Adrian kann nicht frei sitzen, stehen kann er nur, wenn er sich festhält. Vor einem Jahr wurde bei dem jetzt zweijährigen Jungen aus Kasachstan Kinderlähmung diagnostiziert.

„Gesunde Kinder in diesem Alter können bereits laufen, Treppensteigen, auf einem Bein stehen und die ersten Worte sprechen“, sagt der Kasseler Physiotherapeut Adem Risilia.

Er hat den Jungen Anfang September des vergangenen Jahres das erste Mal kostenfrei nach der sogenannten Vojta-Therapie drei Wochen lang behandelt. „Seine motorische Entwicklung entsprach dem eines viereinhalbmonatigen Kindes“, sagt er. Bei der Behandlung werden laut Risilia durch eine bestimmte Art der Stimulation Bewegungsmuster ausgelöst.

Physiotherapeut Adem Risilia

Mit Hilfe von Spenden aus dem Familien- und Freundeskreis hatte die Kasselerin Juliana Eckhardt (25) Adrian und seiner Mutter Marina (25) die Reise nach Deutschland ermöglicht. Die beiden Frauen kennen sich seit der Grundschule. Eckhardt lebt seit 2001 in Kassel. Die Vojta-Therapie, die in Kasachstan nicht angeboten wird, hat bei Adrian offenbar gut angeschlagen. „Nach der ersten Therapie ist Adrian auf dem Entwicklungsstand eines sechs bis sieben Monate alten Kindes“, sagt Risilia. Er kann sich im Liegen auf beide Arme abstützen, den Kopf halten und seine Augen auf bestimmte Punkte fixieren.

In Kasachstan wurde der Zweijährige bisher wenig erfolgreich mit Massagen und Akupunktur behandelt. Eine erfolgreiche Therapie mit Mikrostrom musste abgebrochen werden, weil der Junge eine Veranlagung zur Epilepsie hat.

Mutter Marina würde die Behandlung ihres Sohnes in Deutschland gerne weiterführen. Bei einem monatlichen Einkommen der Familie zwischen 500 und 1000 Euro ist das allerdings kaum möglich. Adrian hat noch einen gesunden Zwillingsbruder sowie einen vierjährigen Bruder.

Allein der Flug kostet laut Juliana Eckhardt 1500 Euro, die Vojta-Therapie Risilia zufolge pro halbe Stunde 35 bis 40 Euro, der Tagessatz in einer Klinik liege bei 500 bis 600 Euro. „Wichtig wären außerdem eine logopädische Behandlung, eine Ergotherapie und die ärztliche Beobachtung durch einen Kinderneurologen“, sagt der Physiotherapeut.

Ziel der Therapie sei es vor allem, die Handfunktionen so herzustellen, dass eigenständiges Essen und Körperpflege möglich seien. Laufen können werde er wahrscheinlich nur mit Behinderung. Da bei Adrian beide Gehirnhälften von der Erkrankung (Hintergrund) betroffen seien, drohe möglicherweise auch eine geistige Behinderung.

„Wir würden uns sehr über eine Unterstützung freuen, die Adrian eine Weiterführung der Therapie ermöglicht“, sagt Juliana Eckhardt.

Kontakt: Telefon 0163/8652608, oder per E-Mail an: juliana.berner@gmx.de

Hier können Sie spenden: Kontoinhaberin Juliana Eckhardt, IBAN: DE 93520503531243044149, BIC: HELADEF1KAS

Hintergrund

Therapie beschränkt sich auf Symptome

Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist eine Infektionskrankheit, die durch Polioviren verursacht wird. Die Infektion befällt Nervenzellen des Rückenmarks, die für die Muskelsteuerung verantwortlich sind. Die Erkrankung kann zu bleibenden Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod führen. In Deutschland gilt die Kinderlähmung dank konsequenter Impfungen heute als ausgerottet. Ein häufiges Auftreten der Erkrankung konzentriert sich auf Gebiete in Afrika und Asien. Eine Therapie beschränkt sich auf die Behandlung der Symptome, eine ursächliche Therapie ist nicht möglich. (pmk)

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