Wissenschaftler entdecken Eikapseln von Haien und Rochen auf dem Meeresboden

Kinderstube in der Tiefsee

Katzenhai: In der Umgebung von Methanquellen fanden Forscher auf dem Meeresboden des Mittelmeeres und im Ost-Pazifik Eikapseln von Katzenhaien. Das abgebildete Tier lebt in einem Meerwasser-Aquarium. Archivfoto: dpa

Göttingen. Auf dem Meeresboden leben nicht nur Würmer und Bakterien. Haie und Rochen nutzen die Tiefsee auch als Kinderstube für ihren Nachwuchs. Das haben Wissenschaftler der Universität Göttingen und des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) mit Kollegen aus Österreich und den USA nachgewiesen.

Im Mittelmeer und im Ost-Pazifik entdeckten die Forscher in der Umgebung von Methanquellen tausende Eikapseln von Tiefseehaien und -rochen in einer Tiefe von 500 beziehungsweise 700 Metern. Bislang galten die Kalksteinlandschaften nahe der natürlichen Methanquellen als Lebensraum von Röhrenwürmern, riesigen Bakterienkolonien und großen weißen Muscheln.

Tausende Eikapseln

Die Wissenschaftler erklären sich ihre Funde in der Tiefsee so: Hai- und Rochenarten befestigen ihre Eikapseln gerne an festen Strukturen, an denen sauerstoffreiches Wasser entlang strömt, wie Korallen oder an senkrechten Felshängen.

Der Tiefseeboden besteht aber größtenteils aus feinem Schlamm, feste Strukturen sind hier selten. „Daher ist es nicht überraschend, dass die Tiere auch Röhrenwurm-Dickichte und Kalksteinauswüchse an Methanquellen als Schutz für den Nachwuchs nutzen“, so die Forscher. Untersuchungen mit einem Videoschlitten auf dem Meeresboden vor Chile zeigten in 700 Metern Tiefe mehrere Generationen riesiger Eikapseln von Tiefseerochen, die zwischen Röhrenwürmern und Kalksteinblöcken abgelegt waren. Die Wissenschaftler filmten sogar ein trächtiges Rochenweibchen. Im Mittelmeer stießen die Forscher auf Eikapseln, die sie eindeutig Katzenhaien zuordnen konnten. Von Katzenhaien stammen auch Eikapseln, die Untersuchungen unter der Leitung des Paläontologen Dr. Steffen Kiel von der Uni Göttingen im US-Bundesstaat Washington zutage brachten.

35 Millionen Jahre alt

In diesem Fall waren die Kapseln bereits 35 Millionen Jahre alt und versteinert. Sie befanden sich zwischen versteinerten Röhrenwürmern an einer fossilen Methanquelle. „Damit lässt sich das Brutverhalten dieser Tiere weit in die Erdgeschichte zurückverfolgen“, sagt Dr. Kiel, der seit vielen Jahren die Evolutionsgeschichte von Tiefsee-Ökosystemen erforscht. (shx)

Ihre Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Marine Ecology Progress Series veröffentlicht.

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