Förderung durch Aktion Mensch endet: „Hafen 17“ muss Angebot kürzen

Kindertreff droht Geldnot

Sie fühlen sich im Hafen 17 wohl: Haua Yüksel, Sofia Sachdev und Derya Köseler (vorn von links) können sich auf Anna-Lena Schott (hinten) verlassen, wenn sie Hilfe brauchen. Fotos: Dilling

Kassel. Der Hafen 17 ist für Derya Köseler ein zweites Zuhause geworden. Die Elfjährige gehörte vor drei Jahren zu den ersten Kindern, die nach Unterrichtsende hier zu Mittag aßen und ihre Hausaufgaben machten. „Ich bin hier nie allein. Wenn ich mit den Aufgaben nicht klarkomme, muss ich nur um Hilfe rufen“, sagt Derya, deren Eltern aus der Türkei stammen. Seitdem hätten sich ihre Noten in vielen Fächern verbessert, erzählt sie.

Derya steht für viele der 30 Kinder, die regelmäßig im Hafren 17 essen, Hausaufgaben machen und ihre Freizeit verbringen. Doch dem erfolgreichen Integrationsprojekt des Diakonischen Werks für Grundschüler, die häufig einen ausländischen Hintergrund haben oder deren Eltern sich nach der Schule nicht ausreichend kümmern können, droht akute Geldnot. Diesen Monat läuft die Anschubfinanzierung der „Aktion Mensch“ aus.

Die Benefizorganisation habe das Projekt mit insgesamt weit über 200 000 Euro gefördert, sagt Mechthild Meyer-Kluge, Sachgebietsleiterin für interkulturellen Dialog beim Diakonischen Werk Kassel. Pro Jahr gebe es für das Projekt einen Finanzbedarf von etwa 80 000 Euro, die nun überwiegend aus Spenden aufgebracht werden müssen.

Die drohende Geldnot hat Folgen. Ihr fällt wohl kommendes Jahr zunächst das Ferienprogramm zum Opfer. Die Zahl der Personalstunden der hauptamtlichen Mitarbeiter wird fast halbiert, auf 30 Stunden. Freitags wird der Treff schon um 14 Uhr, also eine Stunde früher als bisher schließen. Und Ute Harrer, die bisher mit Petra Klos den Treff leitete, scheidet aus dem Personalteam aus. Klos wird einige ihrer Aufgaben mit übernehmen. Die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer werde jetzt noch wichtiger, sagt Meyer-Kluge.

Das Diakonische Werk sucht noch Schüler oder Lehrer, die den Kindern bei den Hausaufgaben helfen und Freizeitaktivitäten anbieten können. Zu den zehn Freiwilligen, denen die Arbeit im Kindertreff Spaß macht, gehört Anna-Lena Schott. „Ich habe mein Herz an diese Sache verloren. Die Kinder geben einem viel zurück“, sagt die Gymnasiastin der Albert-Schweitzer-Schule.

Daneben hofft Meyer-Kluge auf weitere Spender. Eine ganze Reihe, auch Firmen, hätten sich schon in der Vergangenheit in dem Projekt engagiert. Jugenddezernentin Anne Janz habe jetzt signalisiert, dass der Treff auch bei der Stadt anklopfen darf, wenn gar nichts mehr geht. (pdi)

Info und Kontakt: Petra Klos, Tel. 05 61/50 69 99 50. Spendenkonto Diakonisches Werk, Nr. 1554 bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft, BLZ 52060410, Stichwort: Hafen 17.

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